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21. Oktober 2018, 11:00
Orchesterzyklus IV „Liszt & Wagner“ Franz Liszt Konzertsaal, Raiding
 
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360° Live-Erlebnis

Martin Haselböck - "Eroica" 3-D

   

(...) "Orchester Wiener Akademie und Martin Haselböck zusammen
mit Wiener Start-up Bellevue Virtual Media Beethovens realisieren die Symphonie „Eroica“ als 3-D-360° Livekonzerterlebnis im Ambisonic-Surround Sound Headtracked (...)"

(...) "Der eingefangene, authentische Originalklang wird (...) mit einer VR
Gear headtracked übertragen (...).

(...) Zur Krönung kann der virtuelle Konzertbesucher auch gleich aus mehreren Perspektiven Beethovens Musik hören und sehen."(...)


FK | Kronen Zeitung (02. Dezember 2016)

So klein hat es Beethoven vor den Augen gehabt

"Ist es möglich näher an die Weltpremiere von Beethovens dritter Simphonie "Eroica" heran zu kommen? Mit seinem Orchester Wiener Akademie nam Martin Haselböck, diese im Palais Lobkowitz auf, in dem Saal wo diese Musik zuerst erklungen ist.(...)"

"(...) Die authentische Akustik, enstehend aus der kleinen Besetzung, vermittelt das Gefühl, wie es Beethoven selbst vor Augen gehabt werden muss (...) und kreiert ein kammermusikalisches Gefühl in dieser Symphonie, mit viel individueller Spielfreude (...).

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Floris Don | nrc.nl (19. Oktober 2016)

Trauermusik vor dem Marsch in den Tod

"Defiant Requiem: Verdi at Terezín" erzählt von einem Dirigenten und einem Gefangenenchor im KZ.

 

" Was sie nicht sagen durften, sangen sie: 16-mal brachten jüdische Gefangene im Zweiten Weltkrieg im Konzentrationslager Theresienstadt, dem NS-„Vorzeigelager“ in Böhmen, Giuseppe Verdis Requiem zur Aufführung ? ein Widerstand der Kunst gegen die Nationalsozialisten." (...)

(...) Der sonst hell erleuchtete Große Saal ist abgedunkelt. Hell erscheint nur der an die Wand projizierte Schriftzug „Arbeit macht frei“, der am Eingang vieler KZs stand. Man hört einen einfahrenden Zug, während der Tschechische Philharmonische Chor Brünn zum Requiem et Kyrie anhebt, begleitet vom Orchester Wiener Akademie (...).

(...) Chor und Orchester zeigen sich unter der Leitung von Sidlin kraftvoll und konzentriert.

(...)  Der Effekt im Finale berührt: Ein Zug fährt ab. Immer leiser werdend, verlassen Chor und Orchester den Saal, die erste Geige spielt allein zu Ende. Der Dirigent bittet um einen Moment stillen Gedenkens. Als auch er abgegangen ist, verharrt das Publikum still im Dunkel.

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Elisabeth Hofer | Die Presse (22. September 2016)

BEETHOVEN Egmont Incidental Music

BEETHOVEN Egmont Incidental Music. The Consecration of the House

            

"(...) Martin Haselböck and the period instrumentalists of his splendid Orchester Wiener Akademie give an appropriately vibrant and battle-hardened account of music which Beethoven wrote in 1809 10.

(...)  It makes a rousing end to a very collectable disc."

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Richard Osborne | gramophone.co.uk (01. September 2016)

Der Klang des Lisztschen Weimar

"(...) Das Orchester Wiener Akademie zeigt hier die dunkler gefärbte musikalische Seite Liszts und fängt den trauernden Charakter der beiden Traueroden 'Les Morts' und 'La Notte' ein. Beeindruckend hierbei ist der Kontrast zur Aufnahme der Schubert-Fantasie. Während letztere im tänzerisch-leichtfüßigen Charakter dargeboten wurde, erklingen die Traueroden in voller Schwere. (...)
(...) Die Aufnahme zeigt die musikalische Sensibilität der Interpreten, die jegliche musikalische Stimmungen der dargebotenen Werke eindrucksvoll einfangen und somit dem Hörer eine spannende Aufnahme liefern. Auch die Dramaturgie erweist sich als äußerst abwechslungsreich und beinhaltet durch die Bearbeitung der 'Großen Fantasie' als Klavier-Orchester-Dialog einen besonderen Höhepunkt. Für Verehrer der symphonischen Dichtungen Franz Liszts ist diese Aufnahme ein Muss."

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Robert Pfretzschner | klassik.com (13. Juni 2016)

Beethoven RESOUND "Egmont"

"Neue Referenzaufnahme der weithin unterschätzten Goethe-Vertonung, Beethovens "Egmont".(...)

"(...) Endlich ist eine hochkarätig besetzte, historisch-informierte Gesamtaufnahme der Theatermusik "Egmont" von Ludwig van Beethoven erhältlich.(...)"

"(...) Das Orchester Wiener Akademie unter Martin Haselböck hat das weithin unterschätzten Werk an historischer Stätte aufgenommen: im Wiener Theater in der Josefstadt.(...)"

"(...) Haselböck und seine Mitstreiter schaffen es, die innere Dramaturgie des Stückes mustergültig umzusetzen. Die fantastische Klangregie macht dabei jede kleine Nuance der Partitur erfahrbar. Dies ist ohne jeden Zweifel die neue Referenzaufnahme."

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Salvatore Pichireddu | ARTISTXITE (30. Mai 2016)

The problem with concerts

"(...) It would be only an interesting, esoteric, minor experiment if it were not for the superb playing by the Orchester Wiener Akademie under Matin Haselbock.(...)"

"(...) I'm excited to think that I'm listening to something close to what the audience heard in the Josefstadt Theatre back then (...)"

(...) Sure it's a kind of museum experience, but we're in the hands of superb curators here."

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Dean Frey | Music for Several Instruments (14. Mai 2016)

Wie einem Jungbrunnen entstiegen

"(...) Diese Aufnahme ist tatsächlich und im besten Sinne ein neues klassisches Abenteuer. (...)

(...) Hier haben sich Musiker zusammengefunden, die angetreten sind, mit Neugier und Enthusiasmus ein Werk völlig neu zu entdecken. Unter dem - dieser Ausdruck sei an dieser Stelle erlaubt - genialen Dirigenten Martin Haselböck lässt die Cappella Istropolitana selbst gestandene Referenzeinspielungen im Schatten stehen. Die Mittelstimmen im Orchester leuchten in ungeahnter Deutlichkeit, die Balance zwischen Blech und Streichern ist nicht selten zugunsten der Bläser verschoben, was feine, zumeist untergehende Nuancen hörbar macht, scheinbar jede Note wurde auf ihren Beitrag zu Farbreichtum und innerem Zusammenhang hin neu ausgelotet. Dieser Ansatz zieht sich bis zum letzten Akkord der Oper durch und vermag es nicht selten, mit eingefahrenen Hörgewohnheiten wohltuend und überraschend zu brechen. Die Sänger sind großartig, das Orchester, gerade an den rein instrumentalen Stellen, jedoch eine Sensation.(...)

(...) Mit dieser 'Hänsel und Gretel'-Einspielung ist es den Ausführenden gelungen, die Oper mit dem Wasser eines Jungbrunnens zu benetzen und sie so frisch, spannend, mitreißend, sentimental, versehen mit einem kräftigen Schuss kindlicher Unverstelltheit in einem neuen Glanz zu präsentieren. Bravo!"

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Dirk Weber | Klassik.com (01. Mai 2016)

RESOUND Beethoven Vol. II: Symphonie Nr. 7, Wellingtons Sieg

"(...) In der vorliegenden Interpretation mit dem Orchester Wiener Akademie fällt nicht nur die ausgeklügelte Klangregie auf, die Beethoven ?mitkomponiert‘ hatte ? die Musik hat trotz des kriegerischen Charakters eine Wärme, die durch die Raumakustik und die Instrumentenwahl und -spielweise gleichermaßen bedingt ist. Der spektakuläre Klang der Musik konnte das Publikum nur zu Begeisterungsstürmen hinreißen (...)"

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Dr. Jürgen Schaarwächter | Klassik.com (03. April 2016)

RESOUND Beethoven Vol. II: Symphonie Nr. 7, Wellingtons Sieg

"(...) As for the symphony, Haselböck draws from his period instrumentalists a performance that is as sonically satisfying as it is vital and well-proportioned. It also has a strong dance feel to it, as befits the ballroom ambience (...)"

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Richard Osborne | Gramophone UK (01. März 2016)

RESOUND Beethoven Vol. II: Symphonie Nr. 7, Wellingtons Sieg

"(...) Dans chacune des pièces, Haselböck propose un regard précis tout en construisant les lignes avec souplesse et intelligence. Il joue de son orchestre et développe une très large palette de couleurs et dynamiques. (...)"

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Ayrton Desimpelaere | Crescendo Belgien (14. Februar 2016)

RESOUND Beethoven Vol. II: Symphonie Nr. 7, Wellingtons Sieg

"(...) da Martin Haselböck con la sua orchestra - la Wiener Akademie, su strimenti dell'epoca - per un'affascinante fedele integrale delle Sinfonie di Beethoven nella serie Resound di Alpha (...)"


La Mia Musica  (01. Februar 2016)

RESOUND Beethoven Vol. II: Symphonie Nr. 7, Wellingtons Sieg

"(...) Dank dem frischen Spiel der Musiker und dem leidenschaftlichen Dirigat Haselböcks, kommt bei diesem ambitionierten Projekt zu keiner Zeit der gefürchtete Mief des verbohrt Musealen auf. Vielmehr weiß man sich hier sofort näher am damaligen Wiener Beethoven-Klang als jemals zuvor!"

Zum Artikel (Seite 9)


Bernhard Blattmann | CLASS:aktuell (31. Januar 2016)

RESOUND Beethoven Vol. II: Symphonie Nr. 7, Wellingtons Sieg

"(...) Diese Aufnahme ist nah am Original. Dank der spezifischen Klänge der historischen Instrumente. Aber auch, weil Martin Haselböck und das Orchester Wiener Akademie ihre CD an Originalplätzen aufgenommen und dort fulminant gespielt haben."

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Susanne Pütz | hr2 Kultur (26. Januar 2016)

RESOUND Beethoven Vol. II: Symphonie Nr. 7, Wellingtons Sieg

"(...) Haselböcks Lesart basiert insbesondere auf dem spezifischen Klang des historischen Instrumentariums. Er lässt straff, transparent und forciert musizieren. Die insgesamt kraftvolle Exegese setzt weniger auf balancierten Schönklang als auf Zuspitzung und aufgerauten Ton. Eine willkommene Bereicherung des Katalogs."

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Martin Hoffmeister | MDR (19. Januar 2016)

Liszt: The Sound of Weimar (Schubert-Liszt Transcriptions)

"(...) Die Wiener Akademie spielt auf Originalklang-Instrumenten der Zeit von Liszt. Haselböck erschafft damit einen ungeheuer transparenten, vielschichtigen Klangkosmos. Ein fesselndes Hör-Erlebnis."

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Hans-Jürgen Fink | Kultur-Port (06. Januar 2016)

Liszt: The Sound of Weimar (Schubert-Liszt Transcriptions)

"(...) Das klingt fast wie eine neue entdeckte Schubert-Sinfonie, und der elektrisierende Einsatz seiner Wiener Musiker geht wirklich unter die Haut. Dann folgt die Wanderer-Fantasie mit dem Wiener Pianisten Gottlieb Wallisch, der auf dem historischen Streicher-Flügel von 1851 den noblen Konzertcharakter des Werks schön herausarbeitet. Drei geistliche Stücke des späten "römischen" Liszt, die tiefe Spiritualität mit visionärer Harmonik verbinden, runden das vorzügliche Album ab."


Crescendo Magazin  (01. Januar 2016)

RESOUND Beethoven: Symphonies 1 & 2

"(...) Resonoiva akustiikka sulauttaa yhteen wieniläisklassisen eleganssin ja Beethovenin omat ärjymmät äänenpainot. Sulokkuutta ei ole unohdettu, ja huumorissakin on tasoja ja pilkettä. Sointikuva on yhtä aikaa intiimisti puhutteleva että loistokkaasti korkeuksiin ponnahtava. Metronomimerkinnät eivät ole orjuuttavia, vaan Hanselböck antaa johdannoille ja siirtymätaitteille odotuksen tai jännitteen pitkittämisen vaatimaa joustavuutta.(...)"

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Harri Kuusisaari | Rondo Classic Finnland (18. Dezember 2015)

Liszt: The Sound of Weimar (Schubert-Liszt Transcriptions)

"(...) Aus beiden Gruppen, sowie mit eigenen Kompositionen stellen nun die Wiener Akademie und Martin Haselböck einen umtriebigen, rastlosen und genialen Liszt vor, dessen Werke die Ausführenden lebendig, spannend und hochmusikalisch interpretiert haben. Hier fehlt es an nichts, hier ist alles stimmig und erstklassig gelungen."


Robert Strobl | Toccata (01. Dezember 2015)

Liszt: The Sound of Weimar (Schubert-Liszt Transcriptions)

"(...)  Hier offenbart sich Liszts vielfältige, neuartige Instrumentierungskunst, die rein vom Klang ausgehend, völlig unkonventionelle Orchesterfarben durch sehr persönliche Instrumentenkombinationen vorstellt. Hier fantasiert Liszt mit ebenso großer Kunstfertigkeit mit dem ganzen Orchester, wie er es am Klavier getan hat, und offenbart seine tiefe Religiosität anhand von verklanglichten Wanderungen durch seine Seele. Was ich davon bisher hören könnte, hat mich immer berührt und überzeugt, und tut es hier im historischen Klanggewand unso mehr - davon muss es bitte noch mehr in dieser Aufnahme- und Konzertserie geben! (...)"

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Alte Musik Forum (16. Oktober 2015)

Liszt: Hungarian Rhapsodies

"(...) Die Darbietung durch ein Orchester der Größe, wie es Liszt in Weimar tatsächlich zur Verfügung stand, und historischem Instrumentarium, das teilweise sogar in seinen Ensembles gespielt wurde, entschlackt die Musik, ersetzt Schwülstigkeit und Kitsch durch Transparenz und Leichtigkeit, alles bei großer Farbigkeit und Dynamik. Der Klang der Aufnahme im neuen Konzerthaus in Raiding ist ausgezeichnet. So gehört macht diese Musik richtig Spass!"

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Alte Musik Forum (15. Oktober 2015)

Liszt: The Sound of Weimar (Schubert-Liszt Transcriptions)

"(...) So vernehmen wir denn sowohl bei den vier Schubert-Transkriptionen als auch den beiden Originalkompositionen Liszts schlank-fokussierte, auf Strukturen und Farben-Ausleuchtung fixierte Exegesen, die ein neues Licht auf den bisweilen geschmähten Klangkosmos des Romantikers werfen."

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Martin Hoffmeister | MDR (12. Oktober 2015)

Liszt: The Sound of Weimar (Schubert-Liszt Transcriptions)

"(...) Martin Haselböck liefert dann noch, hoch empfindsam, spannungsvolle und expressive Interpretationen von zwei der Lisztschen Traueroden, in denen sich der Komponist mit dem Tod auseinandersetzt. (...)"

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Remy Franck | Pizzicato (10. September 2015)

RESOUND Beethoven: Symphonies 1 & 2

"(...) first-rate recordings of Beethoven in historically informed style, and they sound terrific, even if the halls' unique aural qualities aren't fully discernable. Highly recommended."

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Blair Sanderson | AllMusic (01. August 2015)

RESOUND Beethoven: Symphonies 1 & 2

"(...) Was mich aber vom Stuhl gerissen hat, ist nicht nur die wunderbar intime Akustik des Wiener Prachtsaals, sondern die geradezu subversive Spielfreude, mit der das vierzigköpfige Ensemble diesen frühen Manifesten des Aufbruchs ihren revolutionären Stachel wieder einpflanzt. (...)"

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Attila Csampai | Crescendo Magazin (30. Juni 2015)

RESOUND Beethoven: Symphonies 1 & 2

"Wat is er nog beter dan Beethoven op historische instrumenten? Beethoven op historische instrumenten in de zaal waarin de muziek voor het eerst heeft geklonken. Authentieker kan het bijna niet.(...)"

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Frits van der Waa | deVolkskrant (03. Juni 2015)

RESOUND Beethoven: Symphonies 1 & 2

"(...) La gravació és de molt bona qualitat amb un so net i natural. La interpretació musical és interessant amb molt bones dinàmiques, brillant, musical i energica, amb uns tempos en general ràpids amb un fraseig marcat i resolutiu amb una articulació clara i precisa."

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Ofelia Roca | El Binari (17. Mai 2015)

Franz Liszt: Ungarische Rhapsodien 1-6.

Von Liszts sechzehn Ungarischen Rhapsodien vegetieren sechs in Franz Dopplers, von Liszt nachredigierten Orchestrierungen. Haselböck rehabilitiert sie im Rahmen seiner Liszt-Edition. Er geht die wirkungsvollen Stücke textaufmerksam und gelassen an, entwickelt ihre formalen Verläufe übersichtlich, mindert den tradierten musikalischen Wirkungsüberdruck. Haselböcks gelungene Einspielungen sichern den ihnen zustehenden Literatur-Standort und garantieren ein ungetrübtes Hörvergnügen.


nmz, Hanspeter Krellmann (01. November 2013)

Rücknahme des Spektakulären

(...) Die Orchesterversionen der ursprünglich für Klavier gesetzten Einsätzer gehören zu Liszts populärsten Werken. Nicht nur darum stehen sie heute unter Trivialitätsverdacht und werden paradoxerweise selten im Konzertsaal gespielt. Diese Einspielung lässt sich neben Jos van Immerseels Liszt-Album mit Anima Eterna also auch als Versuch einer neuen Sicht auf Liszts nationalkoloristisch geprägtes Konvolut begreifen, jenseits von aufgeblasener Repräsentationsmusik. Haselböcks wenig pompöser und unpathetischer Zugriff kommt in den 'Ungarischen Rhapsodien' dann auch besonders zum Tragen. Zwischen seiner Interpretation der Zweiten Rhapsodie in d-Moll (auf dem Klavier noch cis-Moll) und der Karajans mit den Berliner Philharmonikern liegen Welten, nicht nur aufgrund der Verschiedenheit in Klangkörpergröße und Spielweise.(...)


klassik.com, Aron Sayed (22. September 2013)

Hungarian Rhaspodies

Wenn ich endlich verstanden habe, worum es sich bei dem vielbeschworenen „Doppler-Effekt" wirklich handelt, so habe ich das Martin Haselböck, seinem Orchester Wiener Akademie und dem gegenwärtigen Programm zu verdanken, das die Landschaft der Ungarischen Rhapsodien mit einem derartigen Hochdruck gereinigt hat, dass mir zunächst schier die Worte fehlten. Was um des seligen Franziskus aus Raiding willen, hat man uns denn da eigentlich immer serviert, wenn diese Piècen als Zugaben oder populäre Rausschmeißer gespielt, wenn Paprika, Puszta, Pálinka beschworen und die Auditorien zu wildestem Beifall motiviert werden sollten?

Nach fünf Viertelstunden und sechs vermeintlichen Salonstücken ahne ich, dass die von den zwei Franzen (Liszt und Doppler) eingerichteten Rhapsodien mit ihren späteren Repertoire-Ausgaben so viel zu tun haben wie etwa Modest Mussorgskys Nacht auf dem kahlen Berge mit Nikolai Rimsky-Korssakoffs wohlmeinender Abendstimmung auf frisch gemähtem Hügel. Nichts nämlich, was Haselböck und sein spezielles Ensemble uns hier als „The Sound of Weimarì" auftischen, ähnelt auch nur von weitem den „Normalversionen", mit denen man uns gemeinhin zu traktieren pflegt. Alles klingt erfrischend schräg, ungewöhnlich und ungewohnt, völlig anders (was macht zum Beispiel die Trompete am Anfang der zweiten Rhapsodie?) und im vergnüglichen Sinne „kaputt": So hätte es in Weimar zugehen können, wenn man sich nicht mit der mürben Besetzung hätte bescheiden müssen, von der zeitgenössische Quellen erzählen. Der Zugewinn an Transparenz, die Beweglichkeit der einzelnen Gruppen, die Eleganz der verführerischen Haupt- und Nebenstimmen, Schmachten, Schmiß und Schmonzetten bewegen sich auf einem Niveau, das ich als Entdeckung nicht im marktschreierischen Sinne, sondern in des Wortes eigentlicher Bedeutung bezeichnen möchte: Die Staubdecke, die sich im Laufe von anderthalb Jahrhunderten in allen Winkeln dieser Partituren gebildet hat, wird mitsamt ihren scheinbaren Verbesserungen radikal entfernt - und man entdeckt, sprich enthüllt, dem staunenden Gemüt die Ursprünglichkeit eines entfesselten Prometheus, der eben doch ein Großer war - und das auch dort, wo er mit seinen folkloristischen Fundsachen jonglierte.

Es müßte schon mit allen finsteren Mächten zugehen, wenn diese Einspielung nicht auch mit einem Grand Prix der Internationalen Schallplatten-Akademie Franz Liszt ausgezeichnet würde wie schon zwei der fünf Produktionen, die in den letzten Jahren den „Sound of Weimar" mit überwältigenden Resultaten an den Tondichtungen ausprobierten und durch die Bank eine jener renommierten Auszeichnungen hätten haben sollen. Diesen noch bei NCA mit zurückhaltender Promotion herausgebrachten CDs, bei denen es sich um nichts weiter als die Neubewertung der „Programmmusik" handelt, sollte cpo möglichst bald auch die Faust-Sinfonie und die gesamte Palette der Klavierkonzerte folgen lassen: Nach allem, was ich bisher habe hören können, läuft das auf eine Renaissance hinaus ...


Klassik heute, Rasmus van Rijn (19. September 2013)

Liszt: Hungarian Rhapsodies

Grand sweep, intense and often overdone emotion, and a certain sprawl beyond the limits of formal structure are generally considered characteristics of the Romantic repertoire - and indeed are present in many works of the era. However, the notion that Romantic music is somehow unsubtle, inevitably wearing its heart on its sleeve, is an overstatement that is often (although admittedly not always) unfair to composers of the time. These are thoughts engendered by Martin Haselböck’s poised, elegant and very musicianly performances of the six orchestrated Hungarian Rhapsodies by Liszt (the orchestrations being by Franz Doppler and the composer, apparently working in tag-team manner). These are among Liszt’s flashiest orchestral works, and they have considerable surface-level charm that is often the only impression they leave behind after a performance. Not so here. Orchester Wiener Akademie performs the pieces on original 19 th-century instruments or modern copies - with a few older, 18 th-century instruments thrown in for good measure - and this is one reason the Hungarian Rhapsodies here have a more-mellow sound then in modern-instrument performances. But Haselböck’s way with the music is an even bigger reason. He takes these pieces seriously, studiously avoiding the ebullience that is so much in evidence in most performances and tending to select tempos, even in the friss sections, that are slower and more stately than usual. The result is that, for example, the “Carnival in Pest” (No. 6 of the orchestrated rhapsodies) is celebratory without being raucous, while “ Héroïde élégiaque" (No. 5) does have heroic as well as elegiac moments. In truth, Haselböck’s approach takes some getting used to, particularly in the famously exuberant No. 2 - a certain intensity and forthright oomph is missing, not only here but elsewhere in the set, and the fact that it is clearly missing by design does not stop a listener from periodically mourning its absence. But the fact is that Haselböck clearly believes that the Hungarian Rhapsodies are serious music, not light-musical throwaways intended for pop concerts; and in that he is clearly correct, based on Liszt’s own intentions for these works. (...) when the surface-level brightness of many other readings starts to fade, this one will remain front-and-center and even, indeed, gain considerable stature.


infodad.com (12. September 2013)

A Tasteful Set of Liszt's Hungarian Rhapsodies for Orchestra

(...) Martin Haselböck remains a fine organist and musician generally, and his belief in Liszt is both honest and musically persuasive. This ongoing "Sound of Weimar" Liszt series has appeared on several labels, and has been largely impressive, not because of the period instrument aspect, but because the Orchestra of the Vienna Academy plays well (mostly), and because the interpretations ask us to take Liszt as seriously as the conductor does. In other words, the musicianship is there.

Haselböck paces this music very well. The First Rhapsody, for example, doesn't really get going until it's almost half over, but Haselböck finds a flowing tempo from the outset that makes those introductory gestures sound, well, rhapsodic rather than merely spasmodic. Rhapsody No. 4 manages to sound less repetitious than it usually can, while No. 5, the darkest of the set, really does have a nicely "Hungarian" tang that never turns merely glum. (...)

Textures are clean and clear, and the fact that the music was arranged by Franz Doppler, later corrected and approved by Liszt, seems to make the orchestration in general less screechy than Liszt's norm. Toss in excellent engineering from the Liszt Concert Hall in his home town of Raiding, and the result is a very enjoyable experience that just might be more musically substantial than you thought possible.

Martin Haselböck remains a fine organist and musician generally, and his belief in Liszt is both honest and musically persuasive. This ongoing ?Sound of Weimar? Liszt series has appeared on several labels, and has been largely impressive, not because of the period instrument aspect, but because the Orchestra of the Vienna Academy plays well (mostly), and because the interpretations ask us to take Liszt as seriously as the conductor does. In other words, the musicianship is there.

Haselböck paces this music very well. The First Rhapsody, for example, doesn?t really get going until it?s almost half over, but Haselböck finds a flowing tempo from the outset that makes those introductory gestures sound, well, rhapsodic rather than merely spasmodic. Rhapsody No. 4 manages to sound less repetitious than it usually can, while No. 5, the darkest of the set, really does have a nicely ?Hungarian? tang that never turns merely glum.

- See more at: http://www.classicstoday.com/review/a-tasteful-set-of-liszts-hungarian-rhapsodies-for-orchestra/?search=1#sthash.eSCKaovJ.dpuf

Martin Haselböck remains a fine organist and musician generally, and his belief in Liszt is both honest and musically persuasive. This ongoing ?Sound of Weimar? Liszt series has appeared on several labels, and has been largely impressive, not because of the period instrument aspect, but because the Orchestra of the Vienna Academy plays well (mostly), and because the interpretations ask us to take Liszt as seriously as the conductor does. In other words, the musicianship is there.

Haselböck paces this music very well. The First Rhapsody, for example, doesn?t really get going until it?s almost half over, but Haselböck finds a flowing tempo from the outset that makes those introductory gestures sound, well, rhapsodic rather than merely spasmodic. Rhapsody No. 4 manages to sound less repetitious than it usually can, while No. 5, the darkest of the set, really does have a nicely ?Hungarian? tang that never turns merely glum.

- See more at: http://www.classicstoday.com/review/a-tasteful-set-of-liszts-hungarian-rhapsodies-for-orchestra/?search=1#sthash.eSCKaovJ.dpuf

Classics Today, David Hurwitz (03. September 2013)

Ungarische Seele

Der Europäer Franz Liszt war gebürtiger Ungar. Darauf besann er sich auch in seinen Ungarischen Rhapsodien, in denen er vorwiegend Melodien ungarischer Roma verarbeitete. Zwischen tänzerischem Verbunkos-Feuer und tief empfundener Wehmut bündelt Liszt hier alles an folkloristischem Lokalkolorit, was seine Epoche bereithält. Sein Zeitgenosse Franz Doppler, geboren im galizischen Lemberg, orchestrierte die von Liszt für Klavier geschriebenen Stücke wirkungsvoll und farbenreich. Sogar ein ungarisches Cimbalom kommt zum Einsatz, und natürlich dürfen auch inbrünstige Geigensoli nicht fehlen. Es gibt zudem Stellen, die klingen nach Wagner und andere, da scheint Böhmisches hervor: Ein kurzweiliger Parforce-Ritt durch die musikalischen Stile der Epoche. Martin Haselböck und seine Wiener, die fast alle auf historischen Instrumenten aus dem 19. Jahrhundert spielen, bringen die Stücke zum Leuchten und Strahlen.


concerti.de, Eckhard Weber (01. September 2013)

"Sound of Weimar" - continued!?

Er ist es! Der unnachahmliche Sound des Orchesters Wiener Akademie unter Martin Haselböck.
Moment mal! Kennen wir das nicht? Bringen wir das nicht mit irgendeinem griffigen Slogan in Verbindung?
Korrekt: „The Sound of Weimar“ hieß die fünfteilige CD-Reihe, die Haselböck mit seinem „Originalklang“-Orchester für das NCA-Label eingespielt hatte. Diese Reihe war das womöglich engagierteste und vielleicht auch beste Aufnahmeprojekt, das im Liszt-Jahr 2011 seinen Anfang nahm.
Hohes und höchstes Lob (nicht in allen Fällen berechtigt) konnte das Orchester Wiener Akademie einheimsen. In allen Ecken Europas hatten Martin Haselböcks Mannen nach Originalinstrumenten aus Liszts Zeit gefahndet. Mehr noch! Vielmehr hatte man es auf die Instrumente abgesehen, die in Liszts Weimarer Orchester original gespielt worden sind-
Es kam dabei - vor allem was die Blasinstrumente angeht - zu aufsehenerregenden Entdeckungen: Instrumente mit ganz anders gearteten Mechaniken, als wir sie heute kennen kamen zum Einsatz und klangen - welche Wunder - auch ganz anders, als man bis dato Liszt „im Ohr“ hatte.
Haselböck fand auch heraus, dass Liszts Orchester in Weimar durchschnittlich nur mit 30 bis 40 Musikern besetzt war. Er probierte das Experiment aus und kreierte so einen viel helleren, durchhörbareren Liszt-Klang, der so gar nichts mehr zu tun hatte mit dem Karajan-Brei, dem Solti-Donner oder dem Bernstein-Pomp, den man aus den vergangenen Jahrzehnten zwar kennen aber kaum schätzen gelernt hatte.
Keine Frage: Martin Haselböck und das Orchester Wiener Akademie haben Liszts Orchestermusik rehabilitiert. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie mit intensiven musikwissenschaftlichen Forschungen nachgewiesen haben, dass Liszt offenbar weit mehr Werke selbst orchestriert hat, als es bislang angenommen worden war. Haselböck hat also auch Liszt selbst rehabilitiert.
Jedem, der diese NCA-Aufnahmen nicht kennt, jedem, der denkt, Liszt sei piefige, größenwahnsinnige Musik, dem sei dringendst angeraten, sich die „The Sound of Weimar“-Reihe anzuhören. Sie hat das Liszt-Bild nachhaltig geändert!
Nun erscheint überraschend bei jpc’s firmeneigenem cpo-Label eine Gesamtaufnahme der Ungarischen Rhapsodien in der Fassung für Orchester, die Liszt bekanntermaßen gemeinsam mit dem Flötisten Franz Doppler orchestrierte - in der Einspielung des Orchesters Wiener Akademie unter Martin Haselböck. Ursprünglich war diese CD wieder unter dem Titel „The Sound of Weimar“ angekündigt gewesen, und zwar als deren sechster Teil. Irgendetwas muss aber hinter den Kulissen stattgefunden haben, denn nun liegt das Album leibhaftig vor mir, und von „The Sound of Weimar Vol. 6“ ist zumindest auf dem Cover nicht mehr die Rede. Stattdessen gibt es nur einen recht unscheinbaren Hinweis auf die Zugehörigkeit zur Reihe am linken Rand im CD-Tray-Hintergrund.
Wie dem auch sei, die Einspielung folgt dem bisherigen Muster: Liszts Musik wird zunächst entschlackt und in kleineren Besetzungen dargeboten und dann dynamisch und rhythmisch einer Verjüngungskur unterzogen. Es ist kaum zu glauben, was für ein schlankes, agiles Stück dabei plötzlich aus der als verstaubten Boliden wahrgenommenen Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 geworden ist. Oder man höre sich auch die dritte Rhapsodie an mit ihren Cimbalom-Solo-Parts. Das bekommt so nur Martin Haselböck mit seinem Orchester hin.
Ich gehe so weit zu behaupten, dass diese hervorragende Neuerscheinung die bei weitem beste in der „The Sound of Weimar“-Serie ist, seit 2011 die Dante-Sinfonie bei NCA erschienen ist. Insofern ist diese Aufnahme unverzichtbar für all jene, die der Reihe bislang die Stange gehalten haben. Und für alle, die neu zu Haselböcks Fangemeinde hinzukommen, sind die Ungarischen Rhapsodien ein wahrlich gelungener Einstieg.
Glückwunsch an cpo, dass man sich diese Perlen sichern konnte. Im selben Atemzug wünschen wir uns nun bitteschön auch noch die Faust-Symphonie.


www.incode.de/listener, Rainer Aschermeier (17. Juli 2013)

Vom Tastenvirtuosen zum Klangzauberer

Organisten - man glaubt sie als versponnene, brucknermäßig in ihre Tasten- und Pfeifenkünste versunkene Individuen zu kennen; skurrilen Humor traut man ihnen durchaus zu, kaum dagegen Weltgewandtheit. Bedarf es dieser aber nicht, um - zum Beispiel - Intendant der Berliner Staatsoper, des Brüsseler Théatre de la Monnaie, des Festivals in Aix-en-Provence zu werden? Das waren beziehungsweise sind - nein, keine typischen Organistenjobs, aber Posten, mit denen Organisten unlängst sehr erfolgreich wurden. Vielseitigkeit und Organisationsvermögen - man kann es bei dieser Künstlerspezies vermuten, wenn man an ihre hochaktive „Vierfüßlerarbeit“ denkt, die ja die Fähigkeit zu komplexen Koordinationsleistungen zur Bedingung hat. Irgendwann können uns auch die Hirnforscher mal diesen Zusammenhang erklären.

Also hat auch der Wiener Martin Haselböck, ein gefeierter Orgelvirtuose, seinen Radius noch einmal erweitert und ist Dirigent geworden. Kein in Oper oder Sinfonik „normal“ umtriebiger Taktstäbler, sondern doch eher ein speziell artistisch motivierter Orchestergründer und -leiter, der es sich mit den Instrumentalisten seiner Wiener Akademie zur Aufgabe machte, die Tondichtungen von Franz Liszt auf Originalinstrumenten des 19. Jahrhunderts zu Gehör zu bringen. Wer behauptet, das sei wenig spannend, weil sich seitdem das orchestrale Klangbild kaum verändert habe, braucht nur einmal den ruppigen (Paukenwirbel) Beginn von „Prometheus“ zu vernehmen, oder, pauschaler gesagt, Haselböcks Versionen mit den bieder philharmonischen von Kurt Masur und dem Gewandhausorchester Leipzig zu vergleichen. Bei Haselböck „redet“ das Orchester anders. Die Klangfarben scheinen frischer gemischt, die dynamischen Kontraste sind größer, härter, ungeschmeidiger.

Liszts lange, leider durch (ausgerechnet aus Anlass der ingeniös-harmlosen Buffa „Barbier von Bagdad“ von Peter Cornelius angezettelte) Hofintrigen beendete Zeit als Weimarer Opern- und Orchesterchef in der Mitte des 19. Jahrhunderts war auch eine Lehrzeit für den Komponisten, der dabei seine programmmusikalische Poetik genauestens entwickelte und in einer exemplarischen Werkreihe profund vorstellte. Mag sein, dass ihm sein Schüler Joachim Raff einige Anregungen zu instrumentatorischen Details gab; die kontinuierliche Arbeit mit der Weimarer Kapelle befähigte den ehemaligen Pianisten Liszt (wie Haselböck ein Tastenmusiker mit nachmaligem Orchesterfaible) freilich nach und nach selbst, sich der Rezepturen des seinerzeit „modernen“, das heißt, des spätromantischen Klangzaubers zu versichern, wie ihn vor allem Berlioz inaugurierte und Wagner, der künstlerische Weggefährte Liszts, weiter ausdifferenzierte. Wagner fand später abschätzige Worte für die Musik seines Schwiegervaters (dabei in unschöner Gesinnungs-Kumpanei mit Liszts Tochter Cosima), aber insbesondere von dessen harmonischen Erkundungen profitierte er enorm.

Liszts Programmmusik-Konzept, das von der Brahmspartei im 19. Jahrhundert heftig befehdet wurde, manifestierte sich vor allem in einsätzigen Tondichtungen, die in konziser Form (meistens nach modifizierten Regeln der „absoluten“ Musik) bestimmte literarische Inhalte wiedergaben oder antönten (man konnte sie eventuell auch mit Gewinn hören, wenn man diese literarischen oder programmmusikalischen Bezüge nicht kannte). Es finden sich darunter mythologische Sujets wie „Orpheus“ oder „Prometheus“. „Tasso“ und „Mazeppa“ erinnern an Persönlichkeiten der Historie, „Die Ideale“ oder „Festklänge“ assoziieren Allgemeineres, ebenso „Les Preludes“, die schwungvollste und melodisch mitreißendste der Lisztschen Orchestermusiken, die allerdings durch Missbrauch in der Nazizeit (als Einleitung für Radio-Frontberichte) kontaminiert war. In einigen dreisätzigen Sinfonien, der Dante-, der Berg- und der (in dieser Sammlung von 5 CDs nicht enthaltenen) Faust-Sinfonie nähert sich Liszt einerseits der klassisch-traditionellen Formgestalt, andererseits den bei den Malern seiner Zeit zunehmend beliebten Triptychon-Tableaus. Ganz entschieden diesen entspricht auch die letzte, dreiteilige Tondichtung „Von der Wiege bis zum Grabe“, vielleicht die reifste und faszinierendste Orchesterstudie Liszts überhaupt, eine an romantisch-symbolistische „Lebensalter“-Gemäldezyklen von Böcklin, Hodler oder Segantini erinnernde Meditation.

Liszt, ein künstlerisch rundum gebildeter und interessierter Weltmann, wurde auch nach seinem Tode immer wieder unterschätzt; die ihm so nahe, lautstarke Stimme Wagners drohte ihn zu übertönen. Richard Strauss hat den Typus der einsätzigen sinfonischen Dichtungen (in „Don Juan“, „Till Eulenspiegel“ oder „Also sprach Zarathustra“) vielleicht noch glanzvoller als Liszt erfüllt. Aber mit ihrer Vielzahl (5 CDs, mehr als 5 Stunden Musik) und ihren ausgreifenden inhaltlichen Bezügen bleiben die Lisztschen Orchesterwerke dennoch stets eine reizvolle Erbschaft. Etwas näher am Vergessenwerden als manches andere, eignen sie sich umso besser zur periodischen Neuentdeckung. Sie wird durch Halselböcks Interpretation - der man „Originalität“ im umfassendsten Sinne attestieren kann - zum Ereignis.


faustkultur.de, Hans-Klaus Jungheinrich (19. Februar 2013)

Traditionsbewusst

Die Musik des 19. Jahrhunderts wird in den vergangenen drei Jahrzehnten immer stärker Arbeitsbereich auch historisch informiert musizierender Aufführungskörper. Neben den London Classical Players, dem New Queen’s Hall Orchestra, dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique, dem Orchestra of the Age of Enlightenment, dem Orchestre des Champs Élysées, Anima Eterna, Musica Florea oder der Capella Colonensis zählt bereits seit diversen Jahren auch die Wiener Akademie unter ihrem Leiter Martin Haselböck dazu. (...) Mit Folge 5 der Reihe wird die Gesamteinspielung der Symphonischen Dichtungen komplettiert; ob die 'Faust-Sinfonie' und/oder andere Werke noch folgen, wird man sehen.
'Prometheus' entstand 1850 ursprünglich als Ouvertüre zu Herders 'Der entfesselte Prometheus‘, doch geht es schon in dieser ersten Form, die bis 1855 überarbeitet wurde, vor allem um den Titanen selbst, nicht um die Handlung des Dramas, vom Geist her Beethovens 'Coriolan‘-Ouvertüre vergleichbar. Haselböck gelingt eine intensive Wiedergabe, durch die Hervorhebung verschiedener Klangfarben in manchen Momenten Wagners 'Meistersinger' und den 'Ring' vorwegnehmend, in manchen Momenten zeitnahe Kompositionen Robert Schumanns spiegelnd; (...)
Auch von 'Festklänge' (1853-61) gibt es zwei Fassungen, dem unterschiedlichen Anlass gemäß (zunächst als Huldigungskomposition für die Fürstin Wittgenstein, dann als Vorspiel zu einem allegorischen Drama Schillers, zuletzt als Symphonische Dichtung Nr. 7). Das umfangreiche Werk mit insgesamt durchaus traditioneller Formstruktur hat nicht ganz die Prägnanz etwa der Phantasie-Ouvertüren Tschaikowskys, doch ist es musikalisch ungemein reizvoll. Gerade für ein historisch informiert musizierendes Ensemble ist es insofern ausgesprochen attraktiv, werden doch zahlreiche unterschiedliche Farbvaleurs gefordert, bis hin zur hier besonders apart klingenden Glocke. Es ist auffallend, dass selbst bei solch scheinbar nebensächlichen Instrumenten ganz eigene Klangfärbungen im heutigen Orchester verloren gegangen zu sein scheinen. Die teilweise durchaus nicht ganz einfache Balance zwischen den einzelnen Instrumentengruppen ist hier kongenial umgesetzt, auch wenn die Streicher durch die Darmsaiten sehr viel gezähmter klingen als in mancher Aufführung mit modernen Instrumenten.
1858 entstand Liszts 'Hamlet', zunächst abermals als Schauspielouvertüre, doch wurde das Werk erst 1876 als seine zehnte Symphonische Dichtung aus der Taufe gehoben, obschon sie vom Kompositionsdatum her eigentlich seine letzte des zentralen Zwölferzyklus war. Sehr schön kommen in der vorliegenden Interpretation die Verbindungen zum früheren 19. Jahrhundert zur Geltung, zu Weber und Schumann, später auch Berlioz. Die Raffinesse, die Haselböck dem Werk angedeihen lässt, kann jedoch nicht über die eine oder andere Schwäche in Liszts Motivbehandlung hinwegtäuschen.
Mit 'Von der Wiege bis zum Grabe' griff Liszt nach langjähriger Pause 1881/82 die Gattung der Symphonischen Dichtung ein letztes Mal auf, mit klaren Vorgriffen auf die Musikentwicklung im 20. Jahrhundert im mittleren Abschnitt. Herrlich gestaltet Haselböck mit seinen Musikern den Beginn der Komposition, mit den schwebenden Streicherklängen, die zwar nicht ganz so differenziert dargeboten werden wie in Jos van Immerseels Einspielung mit Anima Eterna aus dem Jahre 2004, doch immer noch Qualitäten besitzen, die modernen Symphonieorchestern abgehen (müssen). Ganz offenkundig lassen sich manche Qualitäten in Liszts Orchesterwerken nur durch Instrumente des 19. Jahrhunderts vermitteln; die Chancen, um die sich moderne Symphonieorchester bringen, sind beträchtlich.
Insgesamt nähert sich die Einspielung des Orchesters Wiener Akademie dem Ideal schon stark; (...) Die Aufnahmeakustik ist, wie schon in der ganzen Reihe 'The Sound of Weimar‘, wunderbar natürlich und durchhörbar; (...) Insgesamt eine sehr erfreuliche Veröffentlichung, die die Reihe auf gleichbleibend hohem Niveau fortführt.


klassik.com, Dr. Jürgen Schaarwächter (12. November 2012)

Vol 4 and 5 in Haselböck's period-instrument Liszt project

Of the many interesting factors that strike home after listening to these fascinating CDs, the close proximity, sound-wise, between Liszt and Berlioz is of particular significance. Part of the reason lies with Martin Haselböck's period-instrument Vienna Academy Orchestra, which takes us away from the mountainous spectre of Wagner (unlike Masur, Haitink, Karajan or Solti) and presents each of these highly original canvases in a fresh light. So, at the transition from dark minor to bright major in Tasso (reflected as much in the instrumentation as in the key - beam up around 7'50"), aided by dramatic rushes from the strings, we note Liszt's acute sensitivity to orchestral colour. The Berlioz parallel is apparent at around 9'18", with simultaneously growling low brass and shimmering high violins, and thereafter Haselböck points some of Listz's more delicate writing (especially among the violins and woodwinds) with a craftman's hand.

But the triumph of Tasso doesn't end with the familiar 'Symphonic Poem No. 2'.

Haselböck also offers us The Funeral Triumph of Tasso, and epiloque that Liszt appended during his Rome years and which, in addition to reusing material from the parent tone-poem, incorporates the most beautiful chromatic melody (1'58"), leading some scholars to place the work on a higher plane than its companion.

Haselböck's sense of musical line helps confirm that impression and Liszt's well-aimed use of percussion (bass drum, timpani, side-drum, tam-tam and bells) tells with particular force in Heroide funébre ('A Hero's Funeral), its principal theme recalling a fragment of the Marseillaise. Cue 14'18" and wait for the proto-Mahlerian final climax, with its echoes of Berlioz's Symphonie triomphale from 10 or so years earlier.

Die Ideale is both among the longest and the most appealing of the tone-poems. It also provides a good example of Haselböck's favoured approach to orchestral string-playing (at least for this repertoire), with sparing use of vibrato and a subtle employment of portamento . Nothing subtle though, about the gusty attack from the strings in Prometheus - just what's needed - while the work's fugal centrepiece is tautly argued.

Much of Festklänge ('Festive Sounds') swirls away in joyous abandon and, like Prometheus enjoys one of the most compelling performances in the series. Hamlet is another work fraught with inner conflict, which Haselböck releases without compromise, much as he does in the last tone-poem, From the Cradle to the Grave, where the central 'struggle' isn't rushed but rather builds inexorably to fever pitch and, in doing so, makes the mysterious writing that frames it all the more ethereal.

These are importnat recordings but, being on (sometimes) softer-grained period instruments, their impact isn't always immediate. If at first you miss the visceral drama and tonal volume offered by modern instruments en masse, do persevere. Time and again Haselböck's approach reveals aspects of Liszt's scoring that would otherwise go unnoticed; and even if, after learning these performances by heart, you return to Masur, Haitink, Solit or the maverick Golovanov, Haselböck will have taught you how to 'listen trough' as well as merely 'listening to'. You will have known Liszt's sound world as he knew it, more or less. That in itself is a very worthwhile learing curve.


Gramophone, Rob Cowan (01. November 2012)

Liszt: Symphonic Poems - Orchester Wiener Akademie/Martin Haselböck (NCA)

Go straight to the Héroïde funèbre and you’ll wonder where this music has been hiding. Liszt’s sequence of symphonic poems has fallen into sorry neglect, and this swaggering, funereal work is a fine place to start. In the composer’s words, “the tears that grief brings forth become always the same bitter flood... reproducing its own despair with immutable monotony.” This could almost be an early sketch by Mahler [7], sounding all the more startling through Liszt’s bold use of orchestral percussion - gong and tubular bells vividly projected in Martin Haselböck’s period-instrument performance. These players produce colours bold and pungent enough to make you forget the music’s shortcomings - what could sound like aimless romantic gloop feels taut, vibrant.

The lengthiest work on this disc, Die Ideale doesn’t quite contain enough memorable material for 29 minutes -  Liszt’s themes aren’t etched boldly enough, and there’s only so much tortuous, chromatic development these melodies can take. Far more impressive is the Goethe-inspired Tasso, Lamento e trionfo and the separate epilogue composed some years later. All well worth hearing - beautifully recorded, well-annotated, historically important music. And the Wiener Akademie produce thrilling, lean sonorities which make one long to hear them in other late-romantic repertoire.


theartdesk, Graham Rickson (27. Oktober 2012)

CD des Monats: Liszt, Tondichtungen

Mit seinem Orchester Wiener Akademie ist Martin Haselböck nichts weniger als eine Revolution in Sachen Liszt gelungen. Durch Zufall entdeckte er 15 Instrumente, die Liszt selbst für seine Orchester angekauft hatte.

Diese werden nun leihweise von den MusikerInnen der Wiener Akademie gespielt. Das Ergebnis ist verblüffend: Liszts Tondichtungen wie Tasso, Héroïde Funèbre oder Die Ideale offenbaren - des üblichen Blechpanzers entkleidet - eine Farbenpracht, die man bisher kaum wahrgenommen hat.


Die Bühne (31. Mai 2012)

Franz Liszt: Vol 2 & 3

Aborder l'orchestre de Liszt sur instruments anciens n'est plus tout à fait und nouveauté. Jos van Immerseel s'y est déja essayé (Zig-Zag Territoires), Roger Norrington aussi, à la marge. Autant dire que la planète expressive ainsi créée diffère de celles habitées par Beecham, Scherchen, Ferencsik, Karajan, Haitink, Solti, Sinopoli, jusqu'à Noseda il y a peu, qui visent l'opulence postromantique - chacun à son goût, bien entendu.
Les textes circonstanciés de Martin Haselböck disent tout sa démarche: parti de l'orgue lisztien (dont il a enregistré une intégrale) pour aborder ensuite son orchestre, il souligne leurs liens, et insiste sur le choix précis des instruments (non sans pragmatisme: des flûtes francaises ont été préferées à leurs équivalents allemands pour réaliser certain nuances. L'effectif aidant, on y gagne und respiration de la texture, un rééquilibrage de la trame orchestrale (point focal immédiatement audible), une présence des couleurs admirables dans Les Péludes.
Ce faisceau de qualités bénéficie d'abord aux moments élégiaques - les musiciens austro-hongrois privilégiant und approche plus souple et lyrique que celle de Van Immerseel. Mais la projection, la vitalité du geste manquent parfois de la tension intérieure qui fait vivre attaques, accents et contrastes, en particulier dans les grands climax (Scherchen!).
La Bataille des Huns et Mazeppa hésitent parfois entre la légèreté de touche d'un fantastique faustien très séduisant, et uns solennité un peu compassée. L'établissement d'un climat poétique subtilement nuancé prime sur la puissance (cela vaut aussi pour Ce qu'on entend sur la montagne ou Hungaria).
En l'absence de témoignage sonore d'époque, une "reconstruction" élaborée comme celle-ci soulève toujours la même question: les grands chefs issus de la tradition romantique ont-ils dévojé et rendu emphatique le propos lisztien en privilégiant notamment des effectifs orchestraux excessifs? Les photos montrant les grand orchestres à la fin du XIXe ou au tournant due XXe siècle inclinent à répondre oui. Temporellement et par leurs professeurs, ils demeuraient plus proches de la tradition immédiate d'exécution des oeuvers qu'Haselböck en 2011. C'est la vertu stimulante de ce type de projet que d'amener l'auditeur à interroger des habitudes d'écoute trop bien installées, quelque conclusion qu'il en tire.


Diapason, Rémy Louis (24. Mai 2012)

De l’authenticité pour l’orchestre de Liszt

Cela fait longtemps que le souci d’authenticité promu par les «baroqueux» a largement dépassé le domaine du baroque ou du classique pour étendre à la musique du XIXe siècle la volonté de lui conférer des conditions d’exécution plus fidèles à la lettre des partitions ou au contexte de l’époque. Sous le titre «The Sound of Weimar», NCA a ainsi confié les œuvres de Liszt à l’Orchestre de l’Académie de Vienne et à Martin Haselböck, qui le dirige depuis qu’il l’a fondé en 1985: le troisième volume, qui est le deuxième consacré aux treize poèmes symphoniques, en propose trois, enregistrés à Raiding, sur les lieux mêmes de la naissance du compositeur. Avec trente-et-une cordes, même face aux instruments à vent d’alors, l’équilibre est assez radicalement modifié mais le souci d’une approche renouvelée n’est pas sans intérêt dans deux relatives raretés, La Bataille des Huns et Hungaria, où l’inspiration lisztienne n’est généralement pas considérée comme étant à son meilleur. Malheureusement, dans l’incontournable Mazeppa, l’interprétation, poussive, manque cruellement de tension dramatique. SC


www.concertonet.com (15. Mai 2012)

Franz Liszt: Hunnenschlacht, Hungaria, Mazeppa

Das Label NCA setzt seine beeindruckende Franz-Liszt-Edition mit dem Orchester Wiener Akademie unter Martin Haselböck fort. Die Experten für ältere Musik gehen mit der großen Romantik respektvoll, aber auch innovativ um. Selten hat man Liszt so entschlackt, so durchsichtig und auf musikalische Struktur und harmonische Entwicklung bedacht gehört und dabei so zugespitzt, so federnd und prägnant pointiert. Viel hängt auch mit dem historischen Instrumentarium zusammen. Es befreit Liszt von der Üppigkeit moderner Orchesterapparate, entwuchert ihn gleichsam und schärft dadurch das Ohr für die unglaubliche Vielseitigkeit und das oft überdeckte Filigrane dieser Musik. Das bekommt dem Feingeist Liszt viel besser, als die oft zelebrierte Wagnersche Opulenz. Ein schöne Edition, die würdig fortgesetzt wird.


www.mdr.de (01. Februar 2012)

Haselböck's period instrument Liszt project continues

The second instalment of Martin Haselböck's Liszt series moves the cursor across three contrasting tone-poems, Les préludes in particular emerging with sound perspectives that are quite unlike the norm.

The booklet-note makes the interesting point that as originally conceived the work may not have had anything with "the series of preludes to...death" (Lammartine) that have for so long been credited at Liszt's prompting inspiration. The most drastic scenario is that the literary programme was added later, but never mind, it's as well that we think again because as performed on these period instruments the music may well suggest an altogether different narrative sequence. The upper string lines are softer than usual, the lower ones ofter more prominent, while woodwinds have an appealingly plangent quality and the brass cut a strong but warm profile. How nice too that the harp is so well focused (ditto in Oprheus) and the percussion battery at the close is so thrillingly but naturally realistic (a result of having the other instruments sound with the softer grain).

Orpheus, the loveliest of the tone-poems, is played with the greatest purity but what most struck me about Haselböck's interpretation was its acknowledgement of the music's deep-rooted ambiguity, which is most striking in the quietly shuddering aftermath of the resplendent central climax, from around 7'15". The conflict of heroic affirmation (ie nature) and human fallibility that sits at the heart of the Victor Huge-inspired Mountain Symphony was the launch pad for the whole series of tone-poems. Haselböck and his players do well by the music's inherent drama (try from 19'41") though not even they quite manage to maintain the tension for al full 30 minutes.

Vol 3 of the series is in some respects the best so far, principally on account of Haselböck's compelling performance of the rarely heard Hungaria, a hommage to the Hungarian fatherland where local rhythms and inflections are tellingly underlined, and Hunnenschlacht, which so often sound like a corny, "spiked helmet" musical caricature but that Haselböck paces with canny judgement, never rushing fences but allowing the mights catalysm at the work's centre - where proudly triumphant forces draw to a sudden halt and allow for a quiet chorale played on the organ - to make this full effect. (...)

Haselböck's liberated textures open a new listening horizons that all lovers of this fine but still underrated music should investigate. I anticipate more revelatins further along the way.

 


Gramophone, Rob Cowen (02. Januar 2012)

Liszt im Originalklang

Ihrem vollauf gelungenen ersten Streich lassen Martin Haselböck und das Orchester Wiener Akademie einen ebenso schönen zweiten folgen: Die neue Folge der Liszt-Orchesterwerke „im Originalklang“ präsentiert die Sinfonischen Dichtungen 1, 2 und 4: die Berg-Sinfonie, Orpheus und die die berühmten, von den Nazis als Erkennungsmelodie zur Wehrmachtsberichtserstattung missbrauchten Les Préludes. Auf historischem Instrumentarium mit zum Teil noch aus Liszts Orchestern stammenden Blasinstrumenten klingen die oft als dickflüssig gescholtenen Werke transparent und klar, das Klangbild ist warm. Diese CD- Reihe entlarvt so manches Urteil über Liszt als voreilig.


concerti.de, Heiner Milberg (19. Dezember 2011)

The Sound of Weimar 3

Nach den ersten beiden nicht nur bemerkenswerten, sondern in der Fachwelt hoch gelobten Einspielungen sämtlicher Lisztscher Orchesterwerke mit dem Orchester Wiener Akademie und Martin Haselböck waren meine Erwartungen an Folge 3 der Reihe „The Sound Of Weimar" hoch: Ein Originalklangorchester in der Besetzung der damaligen Weimarer Hofkapelle musiziert nach der originalen Orchestrierung auf Original- bzw. den Originalen nachempfundenen Instrumenten unter der Leitung einer Originalklang-Koryphäe - so viele Originale können einfach nicht irren. Geht man nun von der faszinierenden Transparenz, der kammermusikalisch anmutenden Durchsichtigkeit, der instrumentalen Trennschärfe aus, gleichzeitig von der Wärme und plastischen Farbigkeit, in denen hier die Sinfonischen Dichtungen Hunnenschlacht, Hungaria und Mazeppa ausgebreitet und bis in den letzten Partiturwinkel ausgeleuchtet werden, so kann man nur von einer Maßstäbe setzenden Liszt-Interpretation reden.
Haselböck vermeidet Dickflüssiges und Bedeutungsschwangeres, verzichtet in Hunnenschlacht und Mazeppa glücklicherweise auf Lärmendes und in Hungaria auf einen allzu heroischen Ton. Er unterschlägt auch keinen einzigen klangfarblichen Reiz und gibt somit - besonders in Hunnenschlacht mit ihrem Crux-fidelis-Choral - den Blick frei auf Liszts enorme gestalterische Fantasie; seine rhythmisch scharf konturierte Liszt-Deutung ist von unvergleichlicher Präsenz, ganz klar eine Interpretation aus einem Guss. (...).


Klassik heute, Christof Jetzschke (15. Dezember 2011)

Liszt, der Symphoniker: Martin Haselböck und die Wiener Akademie beschwören den „Sound of Weimar“

Während sich im zu Ende gehenden Liszt-Jubiläumsjahr eine ganze Reihe mehr oder weniger berufener Tastenheroen und -heroinen zu Wort gemeldet hat, ist der Symphoniker Liszt - wieder einmal - beschämend unterbelichtet geblieben. Eine erfreuliche Ausnahme bildet die Wiener Akademie, die es sich unter ihrem Dirigenten Martin Haselböck zur Aufgabe gemacht hat, dem „Sound of Weimar“ (so der Titel ihrer mit einer beachtlichen Version der Dante-Symphonie gestarteten CD-Reihe) so genau wie möglich auf die Spur zu kommen.

Martin Haselböck, der sich dem Komponisten zunächst über dessen Orgelwerke genähert hat, geht, gestützt auf entsprechende historische Zeugnisse, der originalen Orchesterbesetzung Liszts in seiner Zeit als Weimarer Hofkapellmeister auf den Grund. Das Ergebnis ist angesichts einiger anderer auf das 19. Jahrhundert spezialisierter Originalklangorchester nicht weiter überraschend, verblüfft aber auf einzelne Werke bezogen durchaus.
So erscheint der Orchestersatz von Liszts Symphonischer Dichtung „Ce qu’on entend sur la montagne“ nicht als eine selbstverständlich gegebene Klangpalette, sondern als ein mühsam errungenes, fragiles Gebilde, das zwischen herben Bläserfarben und scharf akzentuierenden Streichern - beides stammt eindeutig von Berlioz her - nach einer Balance des dramatischen Ausdrucks sucht. Statt einen selbstherrlich errungenen Gipfelpunkt zu markieren, wandelt sich der Blechchoral so zu einem nach innen gerichteten Gebet, (...).

Im Kenntlichmachen dieses Ringens um den symphonischen Ton äußerst erhellend, kann Haselböck freilich das vertrackte Formproblem nicht aus der Welt schaffen, das zur Konsequenz hat, dass das im deutschen Sprachgebrauch als „Bergsymphonie“ bezeichnete Werk seit einem Aufsatz von Carl Dahlhaus von 1975 wahrscheinlich häufiger in musikwissenschaftlichen Seminaren analysiert als im Konzertsaal aufgeführt worden ist?
Leicht und schwebend gelingt der Wiener Akademie „Orpheus“, Liszts wunderbar in sich ruhende Beschreibung eines Urzustands, eine unverkrampfte Beschwörung der Kraft der Musik. (...)

(...) kommt ihr und Martin Haselböck das Verdienst zu, im Jubeljahr einen der wenigen gewichtigen Diskussionsbeiträge zu Liszt abseits der Klaviermusik geliefert zu haben. In diesen Tagen erscheint übrigens Folge 3 der Serie mit „Hunnenschlacht“, „Hungaria“ und „Mazeppa“.

Bewertung: 4 von 5 Sternen


nmz - Juan Martin Koch (09. November 2011)

The Sound of Weimar 2

Die erste und die berühmteste sinfonische Dichtung von Franz Liszt sind auf dieser CD vereint, der zweiten der Serie „The Sound of Weimar", die Liszts Orchesterwerke „im Originalklang" präsentiert. In der 1856 fertiggestellten Bergsinfonie versuchte Liszt erstmals seine Idee von Programmmusik umzusetzen, worunter er eine Verschmelzung von Literatur und Musik verstand. Das Werk - keineswegs eine Naturschilderung, eher eine philosophische Abhandlung - ist von einer Ode Victor Hugos inspiriert: Zwei Stimmen, die jubelnde, prächtige der Natur und die dumpfe, jämmerliche der Menschheit, dringen an des Dichters Ohr, „ringen sich einander näher" und verschmelzen schließlich in Andacht.
Les Préludes, aufgrund ihrer kompakten Form und der eingängigen Themen wohl die populärste unter Liszts sinfonischen Dichtungen, war ursprünglich als Vorspiel zu einer Chorkomposition Die vier Elemente konzipiert. Erst im Zuge verschiedener Umarbeitungen fügte Liszt als neues Programm den Verweis auf Lamartines Gedicht hinzu, das die einzelnen Abschnitte der Komposition ganz allgemein als Episoden des menschlichen Lebens deutet - Glück der Liebe, Schicksalsstürme, Idylle des Landlebens und kriegerische Heldentaten. Glücklicherweise hat sich das Werk von dem Missbrauch durch die NS-Propaganda inzwischen weitgehend erholt, so dass man es wieder unbefangen als inspiriertes, ausgewogenes Stück Musik hören kann. Zwischen beiden Kompositionen steht die Tondichtung Orpheus, die Liszt als Präludium zu einer von ihm in Weimar dirigierten Aufführung von Glucks Oper Orpheus und Eurydike komponierte, dann aber als Darstellung des mythischen Sängers und der besänftigenden Macht der Musik unter seine sinfonischen Dichtungen einreihte - ein poetisches Werk, ganz durchtränkt vom Klang zweier Harfen.
Die Wiedergabe durch das Orchester Wiener Akademie unter der Leitung des Organisten Martin Haselböck, die durch den Einsatz historischer Instrumente bzw. deren Nachbildungen besondere Authentizität verspricht, wirft kaum neues Licht auf die eingespielten Werke. Der spröde, in den vibratolosen Geigen stumpfe und wenig sinnliche Klang bedeutet für Liszt - vor allem im Vergleich zur Brillanz und Geschmeidigkeit moderner Orchester - keinen Gewinn. Haselböcks Dirigat wirkt brav und gewissenhaft - das Feuer und die demonstrativ zur Schau gestellte Leidenschaft, auf denen zu einem guten Teil Liszts Faszination beruht, sucht man vergebens. Schließlich herrschten beim Festival in Liszts Geburtsort Raiding auch akustisch wohl nicht die besten Bedingungen: Im forte ist der Klang deutlich eng und wenig durchsichtig.


Klassik heute, Sixtus König (08. November 2011)

Liszt, Franz: Bergsymphonie - Liszt erneut im Originalklang

Mit der Einspielung von Franz Liszts sinfonischen Dichtungen 'Les Préludes', 'Orpheus' und der sogenannten 'Berg-Sinfonie‘ nach Victor Hugos Ode 'Ce qu’on entend sur la montagne' geht Martin Haselböcks Projekt 'The Sound of Weimar' in die zweite Runde. Das ehrgeizige Vorhaben, sämtliche Orchesterwerke des Jubilars auf Originalinstrumenten des 19. Jahrhunderts auf Tonträger zu bannen, nimmt Haselböck auch diesmal wieder besonders ernst. So erfahren wir im umfangreichen Booklet-Text, dass unter anderem eine von Liszt für das damalige Weimarer Orchester angekaufte Tuba zu hören ist sowie Trompeten, Fagotte, Hörner und Posaunen aus dem Bestand der Wiener Hofmusikkapelle aus den Jahren 1856 bis 1863, als Liszt dieses Orchester mehrmals dirigierte. Die Größe der unter Haselböck spielenden Wiener Akademie wurde mittels alter Besetzungslisten des Weimarer Orchesters, das Liszts Werke zur Uraufführung brachte, festgelegt. Daneben trägt die Verwendung französischer Flöten von Louis Lot und Darmsaiten bei den Streichern zum hellen, schlanken Gesamtklang bei.

Unaufgeregtes Historisieren

Die akribische Recherche im Vorfeld dieser Live-Aufnahme erweist sich auch im zweiten Teil des Liszt-Projektes glücklicherweise nicht als Pedanterie aus Selbstzweck. Wer das populäre 'Les Préludes' noch in traditionellem Bombast im Ohr hat (die Wehrmachtsberichterstattung lässt grüßen), wird selbst nach mehrmaligem Hören staunen, wie anders, wie unaufgeregt der Einsätzer nun klingt. Das aufgesetzt gewichtige Blechbläser-Pathos tritt zugunsten neuartiger klanglicher Texturen aus kombinierten Holzbläser- und Streicher-Farben in den Hintergrund, die dank der luftigen Transparenz des Tuttis erstmals, so scheint es, hörbar werden. Zwar bleibt der stürmische Mittelteil dramatisch genug, doch wirken die Becken- und Trommelschläge gegen Ende nun nicht mehr übertrieben deplatziert, sondern erfüllen adäquat die Funktion musikalischer Ausrufezeichen. Dasselbe gilt für den Schlussteil der 'Berg-Sinfonie‘, in dem die Becken- und Trommelschläge sogar noch gehäufter auftreten.

Farbe statt Pathos

Interpretatorisch setzt Haselböck weniger auf Emotionstheater oder großen Ton als auf das Herausarbeiten der vielen kleinen instrumentatorischen Experimente, für die Liszt seine sinfonischen Dichtungen nutzte. Ein Musterbeispiel hierfür ist die in ihrer Anlage lyrische sinfonische Dichtung 'Orpheus', die Haselböck gänzlich undramatisch, dafür aber hochsensibel und organisch phrasierend als fließendes Wechselspiel von Orchesterfarben behandelt. Das Ergebnis ist ein ebenfalls harmonisch weit in die Zukunft weisender ätherisch weicher Gesamtklang, wie man ihn so bei Liszt bislang selten gehört haben dürfte. Auf die kommenden Teil von 'The Sound of Weimar‘ darf man jedenfalls weiter gespannt sein.

 

Interpretation: 4 von 5 Sternen

Klangqualität: 4 von 5 Sternen

Repertoirewert: 5 von 5 Sternen

Booklet: 5 von 5 Sternen


klassik.com & klavier.de, Aron Sayed (03. November 2011)

Martin Haselböck / Orchester Wiener Akademie veröffentlicht The Sound Of Weimar 3

Die Reihe „The Sound Of Weimar“, die Gesamteinspielung aller sinfonischen Dichtungen Franz Liszts auf Originalinstrumenten mit dem Orchester Wiener Akademie, ist das ehrgeizige Projekt des Dirigenten, Organisten und Liszt-Experten Martin Haselböck, dessen erster Teil von der Fachpresse schon als „eine der faszinierendsten Aufnahmen im Jubiläumsjahr 2011“ (concerti), „eine geradezu umwerfende Einspielung“ (Klassik Heute) und „kompromisslos und mitreißend“ (stereoplay) gelobt wurde. Im dritten Teil werden die drei sinfonischen Dichtungen „Hunnenschlacht“, „Hungaria“ und „Mazeppa“ präsentiert.


albumcheck.de (02. November 2011)

Was man von originaler Warte aus hört

Martin Haselböck Symphonische Dichtungen im Klanggewand des Weimarer Hoforchesters

 

Als Komponist wurde Franz Liszt von seinen Zeitgenossen nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst. Als „berüchtigter Nichtkomponist“ musste er sich zeihen, sich gar das böse Wort von der „Tonschmiererei“ gefallen lassen. Der Unmut galt vor allem seiner Orchestermusik und ganz besonders jener Form, die Liszt überhaupt erst kreiert hatte: die Symphonische Dichtung. Fast alle Werke dieser Gattung entstanden in Weimar, wo der Komponist zwischen 1848 und 1861 seinen Wohnsitz hatte und Kapellmeister war. Zu jener Zeit galten, was die Orchestermusik betraf, die Symphonien Beethovens als das Maß aller Dinge. Der Problematik, diesem Vorbild ohne bloßes Abkopieren gerecht zu werden, und damit, wie es hieß, Beethoven zu „überwinden“, entzog sich Lisztdurch ein grundlegend neues Formkonzept. Ein Schritt, den viele nicht mitzugehen bereit waren und Liszt lieber mit Schmähungen überhäuften, während Wagner von einer „neuen Kunstform“ sprach.
Bis heute sind die Symphonischen Dichtungen umhüllt von einem gewissen Hautgout. Man hat sich angewöhnt, diese Werke als Programmmusik zu verstehen, als platte Illustration einer vorgegebenen, meist literarischen Handlung. Zweifellos hat Liszt sich bei der Literatur bedient - jedoch in dem Sinne, dass sie ihm zur Inspiration, nicht aber zum Inhalt seines Schaffens wurde. Dieses Jahr, das im Zeichen von Liszts 200. Geburtstag steht, mag die Ausnahme bilden, aber für gewöhnlich erscheinen die 13 Symphonischen Dichtungen recht selten auf Konzertprogrammen, auch auf Tonträgern werden sie stiefmütterlich behandelt. Umso willkommener daher eine neue Gesamteinspielung, die zu realisieren sich das Orchester Wiener Akademie unter Martin Haselböck vorgenommen hat. Gerade ist die zweite der auf fünf CDs angelegten Reihe erschienen, enthaltend die Symphonischen Dichtungen „Ce qu’on entend sur la montagne“, „Les Préludes“ und „Orpheus“. Haselböcks Aufnahmeprojekt steht unter dem Motto „The Sound of Weimar“, und das bezieht sich nicht nur auf Entstehungsort und -zeit der vorgelegten Werke. Es meint vor allem, dass man in diesen Einspielungen tatsächlich dem „Sound“ eines mittelgroßen deutschen Hoforchesters aus der Mitte des 19. Jahrhunderts begegnen kann. Denn die Wiener Akademie orientiert sich nicht nur an den Weimarer Besetzungsverhältnissen, sondern spielt auch auf Originalinstrumenten.
Das klangliche Resultat ist geradezu ein Ereignis. Das Instrumentarium jener Zeit unterscheidet sich in seiner akustischen Anmutung nämlich nicht nur vom heutigen (bei dem deutlich stärker hellere Farben und Brillanz des Tons im Vordergrund stehen), sondern auch vom silbrigen Seidenmatt der auf Barockmusik spezialisierten Originalklang- Ensembles. Dunkel getönt und plastisch ist der Orchesterklang der Wiener Akademie, geradezu erdig tönen Holz und Blech im mittleren und tiefen Register.
Martin Haselböck kommt es jedoch nicht auf bloße Klangvorführung an. Souverän sein Disponieren der Abschnitte innerhalb der einsätzigen Werke, schlüssig die Entwicklung von Spannungsbögen, wovon vor allem die halbstündige „Berg- Symphonie“ (so der Kurztitel von „Ce qu’on entend sur la montagne“) profitiert. Das von Victor Hugos Ode „Was man auf dem Berge hört“ inspirierte Stück, Liszts erstes vollständiges Orchesterwerk, ist alles andere als ein alpin-sinfonischer Bilderbogen, stellt vielmehr eine Meditation dar über den Widerstreit gegensätzlicher „Stimmen“ beziehungsweise musikalischer Themen.
„Les Préludes“ einmal ohne Knalleffekt „Orpheus“, vor einer Aufführung der gleichnamigen Gluck-Oper 1854 uraufgeführt, ist ein weiteres aufschlussreiches Beispiel dafür, dass es Liszt nicht um Handlung, sondern um das Überführen von Ideen in Töne ging. Bei Haselböcks Version von „Les Préludes“, der wohl bekanntesten Symphonischen Dichtung Liszts, fällt auf, wie wenig martialisch das berühmte (und wegen seiner Verwendung in NS-Wochenschauen berüchtigte) Fanfaren- Motiv hier auftritt: Wuchtig zwar, aber doch organisch eingebunden in den Gesamtverlauf. Es sind nicht zuletzt solche Revisionen, die gespannt machen auf die weiteren Veröffentlichungen dieser Reihe.


Stefan Dosch, Augsburger Allgemeine (29. Oktober 2011)

Liszt im Originalklang

Ihrem vollauf gelungenen ersten Streich lassen Martin Haselböck und das Orchester Wiener Akademie einen ebenso schönen zweiten folgen: Die neue Folge der Liszt-Orchesterwerke „im Originalklang“ präsentiert die Sinfonischen Dichtungen 1, 2 und 4: die Berg-Sinfonie, Orpheus und die die berühmten, von den Nazis als Erkennungsmelodie zur Wehrmachtsberichtserstattung missbrauchten Les Préludes. Auf historischem Instrumentarium mit zum Teil noch aus Liszts Orchestern stammenden Blasinstrumenten klingen die oft als dickflüssig gescholtenen Werke transparent und klar, das Klangbild ist warm. Diese CD- Reihe entlarvt so manches Urteil über Liszt als voreilig.


concerti.de, Heiner Milberg (28. Oktober 2011)

Neue Liszt-Einspielungen

(...) Zum zweihundertsten Geburtstag von Franz Liszt kann man sich kaum retten vor neuen Einspielungen der immergleichen Hits. Doch es lassen sich auch Perlen finden.

 

(...) Die erste Aufnahme sämtlicher Orchesterwerke Franz Liszts, gespielt auf „Originalinstrumenten des neunzehnten Jahrhunderts“, hat Martin Haselböck mit seiner Wiener Akademie in Angriff genommen. Zwei Alben sind schon auf dem Markt, und voller Denkwürdigkeiten. In Vol.1. die „Dante-Symphonie“, in der sich berliozmässig bunt, breit und grobianisch das Theatertor zum Inferno öffnet, dazu die „Evocation à la Chapelle Sixtine“, die Liszt im Jahr 1862, nach seiner Übersiedelung nach Rom, zunächst als Klavierstück entwarf und erst später umschrieb für Orgel und Orchester (NCA 60234/Membran). Vol. 2 enthält drei in der Weimarer Zeit komponierte, große symphonische Dichtungen Liszts. Neben der bekanntesten und wohl auch (wegen der Wehrmachtsberichtsfanfare) berüchtigsten, „Les Préludes“ (die übrigens auch heute abend in Weimar beim offiziellen Festkonzert zu Feier von Liszts zweihundersten Geburtstag erklingen wird, dirigiert von Christian Thielemann), hat Haselböck den von Gluck inspirierten „Orpheus“ aufs Programm des Albums gesetzt sowie die „Berg-Symphonie“ nach Victor Hugo (“Ce qu’on entend sur la montagne“).

Lebendigkeit und Wucht
Das „historische“ an dem Originalklang-Sound, den Haselböck, von Hause aus Organist und Pianist, mit seinem Akademie-Orchester anpeilt, macht sich vor allem in der plastisch-körperlich, geradezu haptisch gefächerten Farbpalette der Holz- und Blechblasinstrumente bemerkbar. Aber auch das ätherisch-härene Klangbild der Darmsaiten im Streicherchor (und in den Streichersoli) sorgt für überraschende Effekte und birgt ungeahnte Reize an Differenzierungen. Haselböck gelingt der Coup, diese lange vernachlässigten, ja, verlachten romantischen Orchesterwerke wieder live als Hörkino vor unsere Ohren zu zaubern und ihnen eine Präsenz zu geben, die man ihnen schon nicht mehr zugetraut hatte.

„The Sound of Weimar“ heißt dieses schöne Projekt, weil exakt die Besetzung und Größe von Liszts Weimarer Orchester nachstellt wird und teils tatsächlich die Originalinstrumente gespielt werden, die Liszts Musiker damals spielten - sofern sie noch auffindbar waren in privaten und öffentlichen Sammlungen. Da es sich bei den Aufnahmen um Live-Mitschnitte aus dem Konzertsaal des Liszt-Festivals im burgenländischen Raiding, Liszts Geburtsort, handelt, müssen einige Abstriche im Klangbild gemacht werden. Was freilich vielfach aufgewogen wird durch Lebendigkeit und Wucht. (...)


FAZ, Eleonore Büning (22. Oktober 2011)

Verirrungen, Versuche und Versuchungen

Der Kontinent des Franz Liszt bietet immer noch Entdeckungen: Ein Durchgang durch die Neueinspielungen zum 200. Geburtstag
 
Martin Haselböck samt seiner Wiener Akademie hingegen bringt mit Gewinn seine Darmsaitenerfahrung in einem ambitionierten, eben bei Folge zwei angekommenen Unternehmen ein, das alle Orchesterwerke im "Sound of Weimar", also auf alten Instrumenten und in der kleinen Besetzung der damaligen Hofkapelle erfahrbar machen will (NCA). Die "Dante-" und die "Berg-Sinfonie", auch ein viel missbrauchtes Stück wie "Les préludes", überraschen mit ihrer sehnigen Schlankheit. Stärker jedenfalls als Gianandrea Noseda, der mit seinem BBC Philharmonic Orchestra - auf Konkurrenzwettlauf ebenfalls bei CD-Station zwei angelangt - den satten Romantikklang vorzieht (Chandos).


Die Welt, Manuel Brug (22. Oktober 2011)

Franz Liszts hinreißende Symphonische Dichtungen

Heute vor 200 Jahren wurde Franz Liszt geboren. Wir feiern den Meister, indem wir das Verbotene erklingen lassen. Das Hauptthema von Liszts Symphonischer Dichtung "Les Préludes" wurde im Zweiten Weltkrieg als Erkennungsmelodie ("Russland-Fanfare") für den Wehrmachtsbericht in Rundfunk und den Wochenschauen verwendet. Seitdem wurde das Werk hierzulande nur noch sehr ungern gespielt, obwohl Liszt für Hitler nichts konnte. Mittlerweile darf man es allerdings wieder unbelastet hören - und in der schönen, sehr anti-militanten Aufnahme des "Orchesters Wiener Akademie" auf Instrumenten des 19. Jahrhunderts unter Martin Haselböck nimmt es durchaus für sich ein. Die Kombination mit den ausladenden Geschwister werken "Orpheus" und "Ce qu'on entend sur la montagne" ist einleuchtend. Eine feine CD für Leute, die ihren Liszt perfekt zu kennen glaubten.


RP Online, Wolfram Goertz (22. Oktober 2011)

Franz Liszt: Les Préludes, Orpheus, Berg-Symphonie

In Weimar schuf Liszt einige seiner bedeutendsten Werke. Martin Haselböck und sein Orchester Wiener Akademie haben diese Epoche gleichsam in eine Nussschale gefasst und drei Sinfonische Dichtungen auf historischen Instrumenten eingespielt: expressiv und voll faszinierender Spezialeffekte.


Hamburger Abendblatt, vfz (22. Oktober 2011)

Tondichtungen II: Liszt hören

Das ehrgeizigste Projekt des umtriebigen mehrteiligen Liszt-Festivals, das die Brüder Kutrowatz in Raiding zum 200. Geburtstag des Komponisten ausrichten, ist die Gesamtaufführung der symphonischen Dichtungen Liszts. Dass der Beitrag dieses Meisters zur Entwicklung der symphonischen Form eminent war, haben wir in der Schule gelernt. Doch „findet kaum je ein Werk den Weg auf die internationalen Konzertpodien. Von einigen wenigen der Stücke liegen exzellente Aufnahmen vor. Von manchen gibt es bisher kaum akzeptable Wiedergaben. Martin Haselböck lässt nun die Aufführungen mit seiner Wiener Akademie mitschneiden. Eben erschien eine CD, die nebst den oft eingespielten „Les Préludes“ auch den selteneren „Orpheus“ und vor allem die erste der Tondichtungen, die „Bergsymphonie“, enthält - und da staunt der Musikfreund, was Liszt so alles vorweggenommen hat, was später Kollegen von Dvorak abwärts mit Freude übernommen haben.


Die Presse, Wilhelm Sinkovicz (13. Oktober 2011)

Liszt: Les Préludes; Orpheus; Berg-Symphonie

Once the exclusive domain for early music, the movement for historical performance practice has expanded into covering works of the Romantic era. Martin Haselböck and the Orchester Wiener Akademie present the symphonic poems Les Préludes, Orpheus, and the Berg-Symphonie in period style, much as Franz Liszt would have conducted them in the mid-19th century. With an orchestra playing authentic instruments and numbering fewer than 40 members, approximating the size of the ensemble Liszt knew in Weimar, the sound of these performances is quite exposed, distinctive, and fresh, and perhaps a little lean to modern ears accustomed to large symphony orchestras. This music was regarded as cutting-edge in Liszt's day because of its novel sonorities, especially in the instrumental combinations, which come across strikingly in these recordings. The attentive listener will notice that the chamber-like transparency of the orchestral writing is quite different from the homogenous sectional scoring by conservative composers of the time. Thanks to his years of experience in playing Liszt's organ music, Haselböck is authoritative in his direction, and his scholarship undoubtedly reinforces the authenticity of the performances. NCA's sound is open and resonant, and the wide audio range is impressive.


www.allmusic.com, Blair Sanderson (30. September 2011)

Liszt on instruments of the period and an auspicious start to a new series

There can be little doubt Martin Haselböck hears his Liszt from the organ loft. His five-CD set of organ works (NCA) attests to both musical perception and scholarship, and I’m fairly certain that his approach to the complete orchestral works, of which this is the first volume, will find him a thoughtful and imaginative proponent of Liszt’s revolutionary language. He locates quite a few similarities between Liszt’s orchestrations and the organ registrations that he indicated for the extant instruments by his own organ builder Ladegast. There’s a darkness of timbre common to both. The „period“ element (using 19th-century instruments and authentic forces) is obvious right from the Dante Symphony’s dramatic „Inferno“ opening, the brush of dark-grain string tone and the explosively crescendoing timpani and tam-tam.
For the insistent main body of the movement, Haselböck opts für a gruelling, steady pulse, though he’s more willing to bend the line than Gianandrea Noseda is on his leaner, more classically fashioned reading with the BBC Philharmonic. So often in this work, the brass dominate - as they mostly do on Hartmut Haenchen’s existing 1995 „live“ Netherlands Philharmonics recording, identically coupled. Under Haselböck brass and strings are better integrated and individual detail is more subtly illuminated.
Note in particular the ethereal, harp-led arabesques at 7’18’’ (prophetic of both Sibelius and Rachmaninov), and the plaintive clarinet tone that takes over soon afterwards.
At 16’05’’, cavorting clarinets and stopped horns make a striking impression, and, when the big drums return a couple of minutes later, their effect is overwhelming.
The aching modulations of „Purgatorio“ are made all the more ghostly by a relative lack of vibrato from the strings (at 4’34’’, listen to how the clarinet underpins the texture, and to the solemnity of the fugue soon afterwards, so reminiscent of Berlioz’s much earlier „Romeo et Juliette“). Haenchens’s more conventionally expressive approach leaves a quite different impression, sweeter but less disquieting. Haselböck’s account of the „Magnificat“ has a radiance about it that sets the scene for the astonishing second work on the disc, the haunting „A la Chapella Sixtine“, a melding of Allegri’s „Miserere“ and the late „Ave verum corpus“ by Mozart, who many years earlier had committed Allgeri’s work to memory. The orchestral version is among the most original and moving of Liszt’s compositions, and Haselböck offers a most beautiful performance of it.
An auspicious start, then, to what should prove an important new series, a valid overview and an interesting alternative to the more weighted, modern-instrument options provided by likes of Masur, Haitink, Karajan and the unstintingly passionate Nikolai Golovanov - though none of the aforementioned offers as comprehensive an overview as that Haselböck is planing for us.


Rob Cowan, Gramophone (01. August 2011)

Die besten CDs des Sommers

So unheimlich klang das Inferno nie: Martin Haselböck und seine Wiener Akademie machen die Dante-Sinfonie zum Hörthriller und entdecken Liszt als Großvater der Filmmusik.


Der Tagesspiegel, Jörg Königsdorf (19. Juni 2011)

Franz Liszt: Dante Symphonie - Spannender interpretatorischer Zugriff

(...) Rechtzeitig zum Lisztjahr erscheint nun mit Martin Haselböcks Einspielung der «Dante-Symphonie» eine neue Darstellung dieses Werkes, ein Umstand, der schon einmal zu begrüßen ist, weil überhaupt nur sehr wenige gut Einspielungen vorliegen, wobei hier Giuseppe Sinopolis ausgesprochen individuelle und kompromisslose Interpretation herausragt. Daneben ist hervorzuheben, dass Martin Haselböck und das Orchester Wiener Akademie nicht nur eine weitere Aufnahme zur schmalen Diskographie beisteuern, sondern dass diese Aufnahme auch noch etwas besonderes ist, spielt das Orchester doch ausschließlich auf Originalinstrumenten des 19. Jahrhunderts. (...) Haselböck und seinem Orchester indes wäre zu wünschen, dass die Aufnahme einen ähnlich Ruck durch die Musikwelt senden könnte, denn von dem insgesamt ganz außergewöhnlich hohen interpretatorischen Niveau der Aufnahme abgesehen, so ist allein der hier dargebotene Liszt-Klang ein wahrlich epiphanisches Erlebnis. Tendiert das moderne Orchester durch die Dominanz der hohen Streicher zu einem geschmeidig-hellen Klang, zu schon fast unumgänglicher Brillanz, so treten diese hier deutlich in den Hintergrund. Es offenbart sich ein eher herb-dunkler Ton und eine - bei Liszts Orchesterwerken nicht immer leicht herzustellende - Durchsichtigkeit der Faktur, die auch den kritischen Liszt-Hörer zu begeistern vermag.

Schon die mottohaften ersten Posaunenrufe des «Inferno», die nach den Worten skandiert werden, die auf Dantes Höllentor eingegraben und entsprechend in der Partitur notiert sind («Per me si va nella ciattà dolente?. - Durch mich hindurch gelangt man zu der Stadt der Schmerzen?»), lassen aufhorchen. Das klingt hart, rauh, düster und ohne jeden Glanz. Ebenso unerbittlich antworten die Hörner mit dem Leitmotiv, dem Liszt den Vers «Lasciate ogni speranza, voi ch’entrate! - Lasst alle Hoffnungen fahren, ihr, die ihr eintretet!») zuordnet. Dazwischen die trockenen Schläge der Pauken, das Grummeln der Grancassa und des Tamtams, das kratzend von den tiefen Streichern vorgestellte Tritonus-Thema des Satzes - all das macht in dieser Aufnahme schon gruseln und zeigt auf, wie viel Liszt der Instrumentierungskunst eines Berlioz verdankt. Haselböck und seine Mannen stürzen sich mit hörbarer Begeisterung in die dankbare Aufgabe, die Höllenqualen plastisch erfahrbar zu machen, wobei der Liszt-Spezialist Haselböck bei seinem Dirigat stets darauf achtet, dem Lisztschen Diktum zur Kunst des Dirigierens: «Wir sind Steuermänner, keine Ruderknechte» gerecht zu werden. Und so ist die Einspielung durch intensive Nutzung des Rubato gekennzeichnet, von einem organischen Atmen mit der Musik und von einem untrüglichen Gespür für die Umsetzung der dramatisch-bildhaften Dimension des Werkes. Haselböck und sein Orchester Wiener Akademie sind allerdings keine einfallslosen Haudraufs. Auch der lamentohafte Mittelteil des ersten Satzes, der musikalisch von sanften Klängen der Violinen, der Flöten und der Harfen gekennzeichnet ist - er schildert die Begegnung mit den berühmten und zu Höllenqualen verdammten Liebenden Paolo Malatesta und Francesca da Rimini -, gelingt ganz vorzüglich.

Martin Haselböck und das Orchester Wiener Akademie präsentieren einen klanglich und interpretatorisch spannenden Zugriff auf die zu unrecht selten gespielte «Dante-Symphonie», die sich hier als eine der bedeutendsten und interessantesten Orchester-Kompositionen Liszts offenbart.
Im «Purgatorio» dann das Kontrastprogramm zum infernalischen Eingangssatz. Es ist kein Fegefeuer, das uns Liszt hier präsentiert, sondern eher ein kühler, aber hoffnungsvoller Zustand, in dem sich die Seele befindet. Sanft blasende Hörner, Flöten, das Englischhorn und die Harfe geleiten den Hörer über im Piano wogenden Violinen in einen eigentümlich zeitlosen Klangraum, der erst in der Lamento-Fuge des Mittelteils Fahrt aufnimmt und Struktur gewinnt. Das Orchester Wiener Akademie zeigt auch hier, was für ein versiert gestaltender Klangkörper es ist. Von der Brutalität des Vorangegangenen ist nichts mehr spürbar, stattdessen warmer Ton, delikate Gestaltung und eine in jedem Moment luzide Darstellung der Fuge, wobei Haselböck deutlich aufzeigt, wo sich beispielsweise ein Bruckner kompositorisch an Liszt anlehnt (z.B. Ziffer K ff).
Das dem Purgatorium folgende «Magnificat» weist ebenso in die Zukunft. Sicher, wenn die herrlich intonierenden Frauenstimmen des «Chorus Sine Nomine» einsetzen, dann meint man sich zunächst in die Gralswelt eines Richard Wagner versetzt. Beim zweiten Hören indes zeigen sich auch Bezüge zur späteren Sakralmusik Frankreichs. Viel sphärischer kann man das - ohne die Schwelle zum Kitsch zu überschreiten - nicht machen. Haselböcks Entscheidung für den ersten der zwei komponierten Schlüsse ist mehr nachvollziehbar, ist dies sanft entschwebende Ende dramaturgisch doch um ein Vielfaches schlüssiger als der plötzliche Jubelton des zweiten Finales.
Als Dreingabe gibt es noch die «Evocation á la Chapelle Sixtine» aus den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Liszt war mittlerweile nach Rom übergesiedelt und hörte dort in der Sixtinischen Kapelle regelmäßig die Werke Palestrinas. Aus dieser Beschäftigung mit den Alten erwuchs zunächst ein Klavierwerk mit dem Titel «À la Chapelle Sixtine Miserere de Allegri et Ave verum corpus de Mozart», das eine Kombination der beiden genannten Werke darstellt, und das er später für Orchester bearbeitete. Die Koppelung der beiden Werke wirkt einigermaßen überflüssig, doch auch dieses eine Viertelstunde währende Werk präsentieren Haselböck und das Orchester Wiener Akademie ebenso stilsicher wie die «Dante-Symphonie».


Glarean Magazin, Wolfgang-Armin Rittmeier (15. Juni 2011)

Franz Liszt - Dante Symphony & Evocation à la Chapelle Sixtine

What did Franz Liszt's music sound like in his day? To answer this question, Martin Haselböck, the Orchester Wiener Akademie, and the women of the Chorus Sine Nomine present the Dante Symphony and the Évocation à la Chapelle Sixtine in historically informed, Romantic period style. With an orchestra playing authentic instruments and numbering fewer than 40 members, and a women's chorus approximating the size Liszt would have had available in Weimar, the sound of these performances is quite direct and at times startling in its originality. It's easy to understand why this music was regarded as cutting-edge, because it offered novel sonorities, especially in the instrumental combinations, and some special effects of orchestration that had few practitioners, other than Berlioz and Wagner. Yet Liszt's explosive depiction of Dante's "Divine Comedy" paves the way for the tone poems of Richard Strauss and the symphonies of Gustav Mahler, and the careful listener will notice that the leanness and transparency of the orchestral writing is quite different from the more homogenous scoring by the Classically oriented composers of the time. Haselböck is authoritative in his direction, undoubtedly from his years of experience in performing the organ works of Liszt, and his ensemble plays with acute clarity and drama, as befits this music. NCA's sound is spacious and vivid in its dimensions, aided by a pleasant acoustic ambience that gives the tone colors a delightful resonance.


www.allmusic.com, Blair Sanderson (01. Juni 2011)

Franz Liszt - Dante Symphony & Evocation à la Chapelle Sixtine

Unter den Orchesterkomponisten des 19. Jahrhunderts hat Franz Liszt bislang mit Abstand den schlechtesten Ruf. Auch wenn der Vorwurf, Liszts Assistenten hätten den größten Teil der Orchestrierungsarbeit erledigt, mittlerweile vom Tisch ist, vermitteln die meisten Aufnahmen seiner sinfonischen Dichtungen (Masur, Haitink) eher den Eindruck pauschaler Aufgeregtheit ohne zwingende dramatische Zielrichtung. Insofern ist Martin Haselböcks Aufnahme der "Dante-Sinfonie" auf historischen Instrumenten eine kleine Sensation. Zeigt sie doch, dass Liszt durchaus phantasievoll und suggestiv mit dem Klang eines Sinfonieorchesters umgehen konnte und dass er in Paris viel von Berlioz gelernt hatte. Haselböcks Wiener Akademie ist nur wenig größer als die Weimarer Hofkapelle, die Liszt zur Verfügung stand: Der Klang bleibt immer schlank und besitzt für jede dramatische Situation der "Divina Commedia" eigene Farben. Schon beim spektakulären Beginn mit der Höllenfahrt zeigt sich, wie viel das Stück gewinnt, wenn man tatsächlich alle Instrumente hört und beispielsweise die Posaunen nicht die grundierenden tiefen Streicher verdecken, die die Szene in ein fahles Licht tauchen. Das ist freilich nur das Grundmaterial für eine Interpretation, die das Stück in jedem Augenblick mit Ausdruck erfüllt, die jeder Phrase einen Charakter und damit dem Ganzen eine ungeahnte erzählerische Dichte gibt. So gespielt, könnte sich das bislang im Schatten der "Faust-Sinfonie" stehende Dante-Opus auch im Repertoire durchsetzen. Die Entdeckung des Orchesterkomponisten Liszt hat begonnen.


RONDO, Jörg Königsdorf (28. Mai 2011)

Fiery Period Liszt

After a slew of Mahler comes the Liszt deluge. Yet Martin Haselböck's Orchester Wiener Akademie's recording of the Dante Symphony has the defining quality of being a 'period' performance. Each instrument's date and provenance is detailed in the excellent liner notes; we can be in no doubt of the authenticity. But looking beyond such insistence that Liszt could have heard these very instruments, Haselböck invests these performances with hellbound zest.

Once the ears have settled to the period sound within the first bars, you are confronted by growling brass, piquant woodwind and alarmingly biting strings. A live acoustic accentuates these qualities, though the slightly pulled-back microphone positions allow for more bloom. Such ferocity is surprising for those expecting the wooly warmth of gut strings, but it provides the perfect evocation of Dante's 'Inferno'. It is in the similarly fierce passages of the appendant 'Evocation à la Chapelle Sixtine' that the Orchester Wiener Akademie is at its best. (...)


Entartete Musik, Gavin Plumley (19. Mai 2011)

Liszts 'Dante' im Originalklang

Bis ins 20. Jahrhundert ist die sogenannte Originalklangbewegung mittlerweile vorgedrungen: Jos von Immerseel spielt mit Anima Eterna auf historischen Instrumenten Werke von Maurice Ravel, Philippe Herreweghe und das Orchestre des Champs-Elysées interpretieren Gustav Mahlers Vierte Sinfonie. Da ist es nicht verwunderlich, wenn nach Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Hector Berlioz und Anton Bruckner, um nur einige zu nennen, sich nun auch Franz Liszt zu widmen. (Jos van Immerseel hat vor einigen Jahren bereits einige Orchesterwerke von Franz Liszt bereits unter historisch informierter Maßgabe eingespielt.) Mit der Umsetzung des hip klingenden Projekts 'The Sound of Weimar‘ wollen Martin Haselböck und das von ihm gegründete Orchester Wiener Akademie pünktlich zu den Jubiläen in den Jahren 2011 und 2012 sämtliche Orchesterwerke Liszts in der originalen Orchesterbesetzung der Uraufführungen spielen. Als erstes diskographisches Zeugnis dieses Unternehmens ist jüngst eine Einspielung mit der Richard Wagner gewidmeten 'Dante-Sinfonie' erschienen. Zusätzlich hat man die sinfonische Dichtung 'Evocation à la Chapelle Sixtine' aufgenommen.


Liszt als großartiger Instrumentator

Wer das Booklet aufschlägt, bemerkt rasch, dass Haselböck es ernst meint. So sind sämtliche verwendeten Instrumente samt ihres Herstellungsjahres angeführt und 'einige der für die Aufnahme verwendeten Blasinstrumente wurden in von Liszt dirigierten Orchestern gespielt‘. Ebenso findet sich unter anderem eine Forderung von Liszt aus dem Jahr 1851 an den Weimarer Hof abgedruckt, die über seine Vorstellungen das Instrumentarium des Hoforchesters betreffend Auskunft gibt. Auch Quellenauszüge über Liszts zu Lebzeiten hoch umstrittene Art zu dirigieren fehlen nicht. Natürlich könnte man nun einwenden, dass alleine die Verwendung historischer Instrumente noch keine historisch informierte Interpretation garantiert. Lauscht man etwa Herreweghes Bruckner, wirken die hörbaren Unterschiede zu traditionellen Lesarten teils verschwindend gering. Glücklicherweise aber ist das hier nicht der Fall: Haselböcks Deutung klingt so andersartig, so entschlackt und transparent, dabei ungewöhnlich farbdunkel, dass man bisweilen meint, diese Komposition könne eigentlich nicht von Liszt stammen, weil sie gegen die Klischees, die man für gewöhnlich mit ihm verbindet, verstößt.
Akzentuierte eine pathetisierende wie monumentalisierende Deutung lange Zeit einzig das Pompöse in den Orchesterwerken - negativer Höhepunkt war bekanntlich der Einsatz von 'Les Préludes' in der 'Deutschen Wochenschau‘ im 'Dritten Reich‘ -, rückt diese Einspielung Liszt in die Nähe des mit ihm befreundeten musikalischen Revolutionärs und Instrumentators Berlioz. Wie zum Beispiel die solistische Bassklarinette im 'Inferno'-Kopfsatz Verwendung findet oder wie im abschließenden 'Magnificat' Harfen und Flöten mit dem Frauenchor zu einer ätherischen Klangwolke verschmelzen, weist auf die Instrumentation eines Claude Debussy voraus. Im turbulenten Kopfsatz mit seinen Höllenschilderungen gelingt es den Streichern zugleich ruppige Expressivität zu verstrahlen, ohne dabei den Wohlklang preisgeben zu müssen. Dank der Transparenz der Aufnahme gelangen ebenfalls die bereits auf die Moderne verweisenden harmonischen Untiefen zur Geltung, wie etwa die vermehrten Tritonus-Bildungen - Symbol für den Teufel in Dantes Hölle - oder die ausufernde Chromatik.

 

Liszt, der Moderne
So vollbringt Haselböck mit seiner Wiener Akademie die paradoxe Leistung, durch Rückgriff auf das Vergangene das Neue an Liszt herauszustellen. Der Hörer jedenfalls kann mit dieser Einspielung per 'Horizontverschmelzung‘ ein bisschen nachfühlen, wie es Liszts Zeitgenossen beim Hören seiner innovativen Orchesterwerke möglicherweise ergangen sein wird. Die kommenden Teile von 'The Sound of Weimar‘ werden mit Spannung erwartet!

 

Interpretation: ***** (5 von 5)
Klangqualität: **** (4 von 5)
Repertoirewert: ***** (5 von 5)
Booklet: ***** (5 von 5)


klassik.com, Aron Sayed (13. Mai 2011)

Franz Liszt: Dante-Sinfonie, Evocation

Ein Paukenschlag zum Liszt-Jahr: die monumentale Programm-Sinfonie nach Dantes "Göttlicher Komödie" und die (meines Wissens erste) Aufnahme der "Évocation", in der Liszt Allegris "Miserere" und Mozarts "Ave verum" zu einer beinahe impressionistischen Orchester-Skizze verwoben hat. Die Produktion entstand im neuen Franz Liszt-Konzertsaal in Raiding, dem burgenländischen Geburtsort des Komponisten. Das exzellente Orchester Wiener Akademie spielt mit scharf akzentuiertem, trotzdem - vor allem in den Holzbläsern - wunderbar warmen Klang der histprischen Aufführungspraxis; und dass Martin Haselböck ein Liszt-Interpret par excellence ist, hat er bereits mit seiner großartigen Gesamtaufnahme der Orgelwerke für das Label bewiesen.

Schon nach den ersten Takten des "Inferno"-Satzes der Dante-Sinfonie versteht man, weshalb Schumann, Brahms & Co. solche Angst vor Liszt un der "Zukunftsmusik" hatten: Das Stück ist von einer derart radikalen, bestürzenden Modernität, dass man es gut und gerne 50 Jahre nach seiner Enstehung (1855) einordnen könnte. Haselböck vermeidet das Pathos, in dem sich andere Aufnahmen verirren. So klingt auch das abschließende Magnificat mit seinen Harfen-Arpeggien und der Dreiklangs-Seligkeit hier plötzlich gar nicht mehr kitschig, sondern schlank und transparent, geradewegs dem Paradies entgegen. Auch die hervorragende Technik und das ausführliche Booklet verdienen Bestnoten.

Eine Referenz-Aufnahme, die das immer noch unterschätzte Meisterwerk Liszts ins rechte Licht rückt: kompromisslos und mitreißend.

 

Musik: **********

Klang: **********


stereoplay.de, Michael Stegemann (01. Mai 2011)

Auf der Suche nach dem Weimarer Klang

Apropos Symphonische Dichtungen: Auf dem Gebiet sind Neuaufnahmen auch im Jubiläumsjahr eine Rarität - wohl wegen der höheren Kosten und weil hier kein mehr oder minder kräftiges solistisches Zugpferd vor den Verkaufskarren gespannt werden kann. Doch nicht nur wegen fehlender aktueller Konkurrenz darf die Einspielung der Dante-Symphonie (NCA) unter Martin Haselböck zu den erstaunlichsten, weil klanglich profiliertesten Zugängen der Diskographie gezählt werden. Mit seinem Orchester Wiener Akademie (teils auf noch unter Listzts Leitung verwendeten Originalinstrumenten) und im Finale den sauber singenden Damen des Chorus sine nomine liefert Haselböck eine betont dramatische, packende Auffassung, bei der alle Stimmen markante Kontur erhalten - und etwa auch die solistische Bassklarinette jenseits üblicher Samtigkeit agiert, sondern bei ihren beredten Soli eine charakteristische Farbe mit gewisser Härte einbringt. Wenn die Celli dann ihre Kantilene liefern, müssen sie sich gleichsam erst gegen die Vorhaltsakkorde des übrigen Orchesters durchsetzen: so wirkt schon die Instrumentation semantisch aufgeladen. Das Andante amoroso im 7/4-Takt ist klanglich delikat tariert, wäre vielleicht mit mehr Freiheit denkbar (Tempo rubato, schreibt Liszt vor), das "lästernde Hohngelächter" des folgenden, düsteren Grotesk-Marsches wird allerdings präzis getroffen. Der Verzicht auf den ad libitum anzufügenden Fortissimo-Schluss mag musikalisch verständlich sein, ist philologisch und diskographisch jedoch zu bedauern. Dieser Auftakt zu einer Kompletteinspielung der Orchesterwerke Liszts (hier ist noch die Allgeri und Mozart zitierende Evocation a la Chapelle Sixtine enthalten) lässt jeweils weitere Offenbarungen erwarten.


ÖMZ (01. Mai 2011)

Franz Liszt - Dante Symphony & Evocation à la Chapelle Sixtine

Der viel versprechende Beginn eines längst überfälligen Projekts: die Orchesterwerke Franz Liszts auf Originalinstrumenten. Interpretatorisch und klanglich bleiben keine Wünsche offen.

Die sogenannte Originalklangbewegung hat mittlerweile fast die gesamte Musikgeschichte - bis hin zu Mahler und Ravel - für sich vereinnahmt, und dies zumindest zum Teil mit erhellenden, oft auch phänomenalen Ergebnissen. Da erscheint es nur folgerichtig, dass zum Liszt-Jahr (am 22. Oktober jährt sich der Geburtstag des Komponisten zum zweihundertsten Mal) ein großangelegtes Projekt in Angriff genommen wurde: die Einspielung sämtlicher Liszt'scher Orchesterwerke unter dem Titel „The Sound of Weimar". Spiritus rector ist der Organist und Dirigent Martin Haselböck, Gründer und Künstlerischer Leiter des Orchesters Wiener Akademie. Haselböck hat in der Vergangenheit bereits sämtliche Orgelwerke Liszts eingespielt. Ziel des „Sound of Weimar" ist es, mit der Wiener Akademie den typischen Liszt'schen Orchesterklang anhand der originalen Orchestrationen und mit historischem Instrumentarium wieder erstehen zu lassen. Einige der für die erste Folge der Reihe verwendeten Blasinstrumente wurden - dem Beiheft zufolge - gar in von Liszt dirigierten Orchestern gespielt. Aufnahmeort ist der Franz Liszt Konzertsaal in Liszts Geburtsort Raiding.

Dass Haselböck und seine Musiker zuallererst die „Dante-Sinfonie" präsentieren, ist ihnen zu danken, harrt doch diese faszinierende Komposition noch immer dem ihr gebührenden Status als zukunftsweisendes Meisterwerk. Auch findet sich in ihr eine der größten Orchesterbesetzungen, die Liszt vorschrieb: dreifaches Holz mit Piccolo, Englischhorn und Bassklarinette, zwei Pauken, Harfe und Harmonium - eine besonders lohnende Gelegenheit, den reichhaltigen Klang eines Liszt'schen „Originalorchesters"  in all seinen Fassetten zu präsentieren. Positives Resultat des benutzten Instrumentariums ist vor allem eine - im Vergleich zu Einspielungen mit „modernem" Orchester - weit größere Transparenz. Wenig findet sich da vom Mischklang, den man gemeinhin mit Musik der „neudeutschen Schule" in Verbindung bringt. Vielmehr zeigt sich eine Verbindung zum terrassenartig angelegten Klangbild der Orgel. Insbesondere die Bläser sorgen zudem für intimere und zum Teil auch dunklere Orchesterfarben, als man sie gemeinhin gewöhnt ist. Die Tontechnik sorgt für eine Abbildung der Partitur in dreidimensionaler Schärfe, bietet aber auch die Wärme, die einen unabdingbaren Bestandteil der Musik Liszts darstellt.

Doch der Originalklang allein ist es nicht, der für den Erfolg dieser Einspielung sorgt: Haselböcks Interpretation ist wie aus einem Guss geformt, wird der dämonischen Seite Liszts ebenso gerecht wie ihrer Weltabgewandheit und schließlich -  im finalen „Magnificat" - religiösen Entrückung. Schade nur, dass der alternative Schluss der Sinfonie nicht auch noch eingespielt wurde - Platz genug wäre auf der CD gewesen. Dafür punktet Haselböck mit einer echten Rarität, der „Evocation à la Chapelle Sixtine", der Orchesterfassung eines Klavierwerks, das sowohl Allegris „Miserere" als auch Mozarts „Ave verum corpus"  verarbeitet - ein besonders schönes Beispiel für die stille, fromme Seite des so vielfältigen und schwer greifbaren Komponisten Franz Liszt.

Interpretation 100%
Repertoirewert 100%


HIFISTATEMENT, Thomas Schulz (25. April 2011)

Auftakt

Mit der "Dante-Symphonie" eröffent die Wiener Akademie unter Martin Haselböck das ehrgeizige Projekt, alle Orchesterwerke des Jahresregenten Franz Liszt auf historischen Instrumenten einzuspielen. Der "Sound of Weimar" beeindruckt durch klare Klangbalance und andere Bläserfarben.

 

4 von 5 Sternen


Kleine Zeitung, ENR (24. April 2011)

Dante-Symphony

Das lässt sich spannend an: Der Dirigent Martin Haselböck und seine Wiener Akademie bitten zu einer Neubewertung des oft geschmähten Orchesterschaffens von Franz Liszt. Auf Basis umfangreicher Recherchen und Haselböcks Erfahrungen auch als Organist, in der kleinen Originalbesetzung und natürlich auf historischen Instrumenten machen sie sich auf die Suche nach dem dunkel-romantischen „Sound of Weimar“, wie ihn Liszt um 1850 prägte. Mit der „Dante Sinfonie“ und der „Evocation à la Chapelle Sixtine“ startet das Projekt vielversprechend; fünf weitere Alben sind geplant.


Carsten Fastner, Falter (06. April 2011)

Franz Liszt - Dante Symphony & Evocation à la Chapelle Sixtine

Es ist noch keine drei CDs her, da durfte (musste) der Rezensent eine Einspielung Liszt’scher Werke besprechen und konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es im Schaffen des großen Komponisten und Pianisten wohl doch einige Stücke gibt, die vielleicht nicht ganz ohne Grund solange nicht mehr das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben.

Und dann dieses: Eine geradezu umwerfende Einspielung von Liszts Dante Sinfonie (nach der „Divina Comedia“) und der Evocation à la Chapelle sixtine mit der Wiener Orchester Akademie und dem Chorus sine nomine unter Martin Haselböck.

Fast 60 Minuten zwingt einen förmlich diese Einspielung gebannt und mit großen Ohren vor dem CD-.Player zu sitzen und alles um sich herum zu vergessen. Dieses Erlebnis wird umso stärker, da man dies ohne inhaltliche Beschäftigung mit Dantes „Comedia“ und dem Kompositionshintergrund der Evocation erleben kann (so ging es mir jedenfalls). Das Studium des aufwändig und sehr gut gemachten Booklets erweitert den Horizont dann noch einmal beträchtlich.

Der Chorklang ist 1a - warum singen Chöre nicht immer so? Und der Orchesterklang: stets engagiert, auf der vorderen Stuhlkante sitzend gespielt, feurig und dabei nie die Textur der Komposition zudeckend -  transparente Spätromantik ohne das „Alte-Musik-Flair".- so müsste man einmal Wagner hören dürfen!! Gratulation!

 

Künstlerische Qualität: 10   
Klangqualität: 10
Gesamteindruck: 10

(Bewertungsskala: 1-10)


Frank Höndgen, www.klassik-heute.de (28. März 2011)

Ohne Eisenhammer

Das ist mehr als eine Ehrenrettung: Liszts nicht vollkommen gelungene „Dante“-Sinfonie auf Instrumenten, die einst sein Orchester in Weimar benutzte. Im Gegensatz zu manch berühmterem Ensemble klingen hier die Originalinstrumente nicht schrill und blechern, sondern herrlich warm ? beste Wiener Tradition sozusagen. Man entdeckt in jedem Takt neue Töne, Farben, Mixturen. Dantes „Inferno“ bedeutet nicht automatisch Eisenhammer, es bringt den Hörer auch mit Dezenz zur Strecke. Noch überzeugender: die selten zu erlebende „Evocation à la Chapelle Sixtine“ aus Liszts frühen römischen Jahren. Sicher eine der faszinierendsten Aufnahmen im Jubiläumsjahr 2011. Fortsetzungen sollen folgen. (VT)

Liszt: Dante-Symphonie, Evocation à la Chapelle Sixtine. Orchester Wiener Akademie, Martin Haselböck (Leitung). NCA


Magazin CONCERTI  (21. März 2011)

Liszt CD

Franz Liszt: The Sound of Weimar Vol. 1

"Wow! The Liszt Dante Symphony is a revelation: the rugged textures, the transparency, the earthiness that contrasts with the spiritual elements at the end...It blew me away!"


Rob Cowan, music critic, BBC Radio 3 presenter (07. März 2011)

Liszt CD

Franz Liszt: The Sound of Weimar Vol. 2

"Wow! The Liszt Dante Symphony is a revelation: the rugged textures, the transparency, the earthiness that contrasts with the spiritual elements at the end...It blew me away!"


Rob Cowan, music critic, BBC Radio 3 presenter (07. März 2011)

Liszt CD

Franz Liszt: The Sound of Weimar Vol. 3

"Wow! The Liszt Dante Symphony is a revelation: the rugged textures, the transparency, the earthiness that contrasts with the spiritual elements at the end...It blew me away!"


Rob Cowan, music critic, BBC Radio 3 presenter (07. März 2011)

Liszt CD

Franz Liszt: The Sound of Weimar Vol. 4

"Wow! The Liszt Dante Symphony is a revelation: the rugged textures, the transparency, the earthiness that contrasts with the spiritual elements at the end...It blew me away!"


Rob Cowan, music critic, BBC Radio 3 presenter (07. März 2011)

Liszt CD

Franz Liszt: The Sound of Weimar Vol. 5

"Wow! The Liszt Dante Symphony is a revelation: the rugged textures, the transparency, the earthiness that contrasts with the spiritual elements at the end...It blew me away!"


Rob Cowan, music critic, BBC Radio 3 presenter (07. März 2011)

The Infernal Comedy

John Malkovich doesn't sing a note in this "drama for one actor, two singers and orchestra." Let's get that out of the way up front. This is not a late attempt of his to show talents no one knew he had. What Malkovich does do in this new work, entitled The Infernal Comedy, is reaffirm that he is a cold-blooded killer of an actor ? not just because he plays the sociopath and convicted murderer Jack Unterweger (1950?1994), but because he depicts the Austrian serial killer with uncanny sincerity.

The Infernal Comedy is something of a post-modern pastiche, or maybe even a semi-opera. It was written and directed by Michael Sturminger, based on the original concept by conductor Martin Haselböck and costume designer Birgit Hutter. It imagines Unterweger ? who after his imprisonment rose to fame for his literary talent and was let out on parole, only to kill again ? on a book tour touting his memoirs. Malkovich's Unterweger addresses the audience at Vienna's Ronacher Theater as if they were there for the signing, but things soon devolve when he is joined onstage by two sopranos who sing Baroque, Classical and Romantic arias. The women are not merely symbols or figments of his insanity but characters with whom Malkovich interacts. (He even strangles one as Unterweger reportedly did to several prostitutes.) In true post-modern fashion, Malkovich at one point reads out loud from Unterweger's Wikipedia page.

These many incongruous parts really shouldn't work together, but somehow they do. The reason may lie more in the high quality of the artists' contributions than in the tenuous textual connection between Unterweger's murders and, say, the text of Beethoven's "Ah! Perfido" ("Where has there been such cruel tyranny?").

First, there is Malkovich's brilliance. He reaches a fever pitch, revealing dark corner after dark corner of Unterweger's solipsistic mind, with a deadpan delivery that is downright frightening. Malkovich sees the character as a man who left the world of societal rules a long time ago. The Austrian is almost bored with his desire to kill women. It is more of a compulsion. Women have a sway over him; he says early on that they "make him lose his mind."

Malkovich is especially effective, even creepy, when he gropes and assaults sopranos Laura Aikin and Aleksandra Zamoj­ska. It's rather a shock to witness, for anyone who has spent years watching singers onstage, where unspoken rules govern what can and cannot happen to them. The realism that Malkovich injects into the play is dead-on, even if his Austrian accent is delivered in an exaggerated, halting manner.

But the music doesn't take a back seat to the actor. From the fiery traversal of Gluck's ciacona "L'enfer," from Don Juan, which opens the piece, to the vibrant accompaniment of the singers, the Orchester Wiener Akademie under Haselböck lends compelling energy to the action. This wonderful rawness is taken up by Zamojska and Aikin in their electric delivery of arias by Vivaldi, Mozart, Beethoven and others. Again, whatever light these works shed on Unterweger's tortured psyche, the greater effect comes from their inherent drama and expression of emotion. This is not a play that would hold up well with lesser performers.

It might not be fair to fully assess the singers based on their work here, since they had to contend with the staging. (At one point, Malkovich puts bras on both vocalists, reportedly Unterweger's preferred means of strangulation.) Yet Zamoj­ska and Aikin sing with clear, precise voices, nailing ornaments and diction even as the actor physically assaults them. They give committed performances of the arias and even concert pieces such as Mozart's "Ah, lo previdi!"

The Infernal Comedy, which is actually funny at times, is ultimately impossible to categorize. Its ending is unpredictable, too. But that's a breath of fresh air in an art form in which you know most of the plots before entering the opera house. Until someone finds a way to turn Being John Malkovich into an opera, this is perhaps the only operatic creation you are likely to see that could possibly feature John Malkovich. And it strangely works.


Opera News, Andrew Druckenbrod (01. Oktober 2010)

Das Grauen in Weiß - The Infernal Comedy

Martin Haselböck und John Malkovich sind die Protagonisten in einem Bühnen-Experiment: Die Geschichte eines verurteilten Serienmörders wird rückblickend neu erzählt. Der Wiener Mitschnitt der "Höllischen Komödie" liegt nun als CD und DVD vor. (...)

Diese Geschichte hat der Regisseur und Autor Michael Sturminger nun, auf Anregung des Dirigenten Martin Haselböck und der Ausstatterin Birgit Hutter, unter dem Titel "The Infernal Comedy" zu einem englischsprachigen "Theater"-Abend verdichtet. Theater - das ist nicht der treffende Begriff. Sturminger spricht daher passend von einem "Bühnenstück für Barockorchester, zwei Soprane und einen Schauspieler". (...)

Thematisch kreist diese Zusammenstellung um die Figur des Don Juan - Unterweger versteht sich ein bisschen als sein geistiger Erbe - und um sonstige Verräter. Die Musik als Gegenstimme zum Monolog des Mörders. Die Musik dient als Hilfe, um Seeleneinblicke in die Opfer zu erhalten. Musik als Spiegelung von Wut und ausbrechenden Gefühlen, was die Wiener-Akademie-Musiker äußerst kraftvoll, akzentfrisch, dissonanzberedt, emotional aufgeladen umszustzen. So gespielt, ergibt der Klang tatsächlich einen eigenen Subtext zu dem, was Mlakovich - pardon - Jack - aus seinen Aufzeichnungen vorträgt. (...)

Keine Frage, Malkovich ist eine Art Idealbesetzung für dieses Stück, ebenso Haselböck, und auch die Musikauswahl ergibt Sinn. Anregend ebenso die Reflexionen über Wahrheit und gezielte Lüge und die Manipulierbarkeit von Menschen. (...)

 


Fono Forum, Christoph Vratz (26. August 2010)

Hänsel & Gretel in Reinsberg

Mehr als nur ein Märchen

 

(...) Die musikalische Komponente der Aufführung ist beachtlich. Martin Haselböck und die Cappella Istropolitana agieren mit viel Engagement und Elan (...). Gesanglich zeigt die Aufführung vom Sommer 2009 ein durchweg beachtliches Niveau. Klaus Kuttler (Peter, Besenbinder) und Romelia Lichtenstein (Getrud, seine Frau) (...) können sich stimmlich durchsetzen und sind darstellerisch glaubhaft. Susanne Kreusch (Hänsel) sowie Bernarda Bobro (Gretel) gefallen mit einer natürlichen Frisch, auch stimmlich finden beide die richtige Linie, unterstützt von einer makellosen Diktion. Das gilt auch für Irmgard Vilsmaier, die eine Luxusbesetzung für die Rolle der Hexe ist und sich mit sichtlicher Freude, stimmlicher Kraft und Ausdrucksfülle auf der Bühne bewegt. Aleksandra Zamojska gestaltet mit ihrem glockenreichen Gesang ein bezauberndes Sand- und Taumännchen. Hervorragend auch die Chöre der Musikhauptschule Blindenmarkt gemeinsam mit den Kindern aus dem gesamten Mostviertel.

Fazit: eine spannende und charmante Aufführung, die nicht nur für Kinder geeignet ist. Auch Erwachsene können sich auf die grandiose Partitur Humperdincks einlassen, die musikalisch ein wirkliches Kunstwerk ist.


 (12. Juli 2010)

Mehr als nur ein Märchen - Hänsel & Gretel

(...) Vorliegende DVD zeigt eine Aufführung in der Burgarena Reinsberg im südwestlichen Niederösterreich, die kürzlich zu einer Open-Air-Veranstaltungsarena ausgebaut worden ist. 'Hänsel und Gretel' passt vorzüglich in die großartige Landschaft. Da benötigte Bühnenbildnerin Nina Ball für den ersten Akt nur eine Küchenzeile, die sie in den Wald platziert. Michael Sturminger führt Regie ohne den belehrenden Fingerzeig, nutzt geschickt das natürliche Element des Aufführungsorts mit einigen klugen Accessoires (etwa ein rotes Tuch, das einfach bei Aktende über die Bühne gezogen wird und das nach der Pause die Szene wieder erweckt).
Auch die musikalische Komponente der Aufführung ist beachtlich. Martin Haselböck und die Cappella Istropolitana agieren mit viel Engagement und
Elan, wenn auch Tempo und Dynamik zuweilen etwas undifferenziert wirken. Gesanglich zeigt die Aufführung vom Sommer 2009 ein durchweg beachtliches Niveau. (...) Fazit: eine spannende und charmante Aufführung, die nicht nur für Kinder geeignet ist. Auch Erwachsene können sich auf die grandiose Partitur Humperdincks einlassen, die musikalisch ein wirkliches Kunstwerk ist.


klassik.com (12. Juli 2010)

HANDEL: Acis and Galatea

While Handel composed Acis and Galatea during 1717-1718 while living at Cannons (residence of the Duke of Chandos) he struggled to devise a means of uniting drama with the English language. This was his first attempt at creating what he later called "My little opera" and what has frequently been labeled a pastoral opera. It was his first dramatic work in the English language. The libretto was written by John Gay with the possible assistance of the poet Alexander Pope. The libretto is based on Dryden's English translation of Ovid's Metamorphoses published in the same year. The work was immediately successful and remained Handel's most popular dramatic work in England during his lifetime. It has never left the opera repertory, no doubt assisted by Mozart's superb adaptation made in 1788 when the struggling composer's finances were at low ebb and he desperately need a sure-fire hit.

Acis and Galatea features music of great delicacy and elegance. There is a plaintive pastoral sadness that permeates the score, a sense of loss and impermanence that heightens the pathos of the music's beauty. Handel shortened his recitatives, highlighting the choruses so that they function as commentary on the action and removed the dances usually found in pastoral masques. The beautiful melodies unfold quickly with few interruptions. The work has a unity and simplicity of structure that approaches dramatic perfection.

This superb recording captures the dramatic essence of this brilliant score. Both soloists and instrumentalists succeed in communicating its pastoral loveliness whilst never losing sight of its deeply emotional heart. Their elegant performances feature a regal simplicity and directness that always conveys the elusive plaintiveness that Handel went to such great pains to create. He composed what many music scholars consider the finest pastoral opera ever written. This exemplary performance is a splendid realization of Handel's wondrous "little opera".

This multichannel SACD has a stunning lifelike sound with rich immediacy and presence. Both the instruments and the voices fill the deep soundstage with a close approximation of a live performance. Close your eyes and you feel like you're there.


Audiophile Audition, Mike Birman (15. Februar 2010)

Georg Friedrich Händel: Acis & Galatea - NCA

Nicht nur wegen des Tenorarien-Dauerbrenners ‘Love sounds th'alarm’ ist Georg Friedrich Händels Masque zu 'Acis und Galathea’ seit der Barockzeit eines seiner beliebtesten Werke. In Instrumentationen von Mozart und Mendelssohn hat es die Zeit überdauert und musste nicht aus irgendwelchen Archiven hervorgezaubert werden. Eine Neueinspielung hat Martin Haselböck, als famoser Organist in allen Epochen beheimatet und als Dirigent ausgewiesener Spezialist für historisch informierte Aufführungspraxis, beim Label NCA herausgebracht. Diesmal kommt der Originalklang jedoch nicht aus dem ?Alten Europa’ sondern vom Musica Angelica Baroque Orchestra aus dem sonnigen Kalifornien, dessen Musikdirektor Martin Haselböck seit einigen Jahren ist.
(...) Die dramatische Stringenz der Handlung, wie Ovid sie überliefert hat, findet ihre direkte Übertragung in einer packende Musik, die eigentlich nur noch einer frischen Umsetzung bedarf. Die Musiker des Musica Angelica Baroque Orchestra leisten dies in vorbildlicher Weise. Frisch, ohne Attitüde, mit einem klaren und transparenten Klangbild perlt und sprudelt diese Musik vor sich hin, wie die Quelle, in die Galathea ihren Geliebten Acis am Ende verwandeln wird. Die Sänger der Einspielung fügen sich wunderbar in dieses Stimmungsbild ein, allen voran Linda Perillo als Galathea, deren klarer Sopran die Verbindung zwischen ätherischer Himmelsfarbe und irdischer, menschlicher Wärme vollzieht. Ihr zur Seite Mark Bleeke als Acis mit einem ungemein farbenreichen und voll klingenden Tenor, der äußerst nuancenreich eine breite Ausdruckspalette wiederzugeben vermag. Florian Boeschs Polyphemus steht da nicht zurück, und gestaltet die charakteristische Partie mit großer Varietät in Stimmfarbe und Emotion. Auch William Hite und Gerald Thomas Gray in den anderen, ebenso reich ausgearbeiteten Partien, wissen zu überzeugen. So ist hier eine gehaltvolle Interpretation eines oft gehörten Werkes entstanden, die nicht nur musikalisch, sondern auch dramaturgisch auf ganzer Linie überzeugt, und deren Qualität ihr einen Platz auf den vorderen Rängen bescheren sollte.


klassik.com (11. Dezember 2009)

CD Acis & Galetea - Alte Klänge zu neuen Ufern

Eine Neueinspielung (von Acis und Galatea) hat Martin Haselböck,
als famoser Organist in allen Epochen beheimatet und als Dirigent
ausgewiesener Spezialist für historisch informierte Aufführungspraxis,
beim Label NCA herausgebracht. Diesmal kommt der Originalklang jedoch
nicht aus dem 'Alten Europa’ sondern vom Musica Angelica Baroque Orchestra
aus dem sonnigen Kalifornien, dessen Musikdirektor Martin Haselböck seit
einigen Jahren ist. (...) Die dramatische Stringenz der Handlung, wie Ovid
sie überliefert hat, findet ihre direkte Übertragung in einer packende
Musik, die eigentlich nur noch einer frischen Umsetzung bedarf. Die
Musiker des Musica Angelica Baroque Orchestra leisten dies in
vorbildlicher Weise. Frisch, ohne Attitüde, mit einem klaren und
transparenten Klangbild perlt und sprudelt diese Musik vor sich hin, wie
die Quelle, in die Galathea ihren Geliebten Acis am Ende verwandeln wird.
Die Sänger der Einspielung fügen sich wunderbar in dieses Stimmungsbild
ein, allen voran Linda Perillo als Galathea, deren klarer Sopran die
Verbindung zwischen ätherischer Himmelsfarbe und irdischer, menschlicher
Wärme vollzieht. Ihr zur Seite Mark Bleeke als Acis mit einem ungemein
farbenreichen und voll klingenden Tenor, der äußerst nuancenreich eine
breite Ausdruckspalette wiederzugeben vermag. Florian Boeschs Polyphemus
steht da nicht zurück, und gestaltet die charakteristische Partie mit
großer Varietät in Stimmfarbe und Emotion. Auch William Hite und Gerald
Thomas Gray in den anderen, ebenso reich ausgearbeiteten Partien, wissen
zu überzeugen.
So ist hier eine gehaltvolle Interpretation eines oft gehörten Werkes
entstanden, die nicht nur musikalisch, sondern auch dramaturgisch auf
ganzer Linie überzeugt, und deren Qualität ihr einen Platz auf den
vorderen Rängen bescheren sollte.

 

(Paul Hübner)


klassik.com (11. Dezember 2009)

Haydn: "Times of the day"

(...) Minimal forces but maximum characterisation (...) The stars (among many) are a pair of horns that really make their presence felt - not least in a whirlwind tempesta - and a tenebrous double bass in the trios that can't help but bring a smile to the face.

(...) in the case of Martin Haselböck and the Wiener Akademie, the ARTS recording is marked by lovely characterisation of the solo parts - terrific horns once again - with a rich tonal palette lending grandeur especially to Le midi's introduction?The storm is borne aloft on those marvellously  temptestuous horns.
For many, the must-have recording of these symphonies may be decided by the presence or otherwise of the harpsichord. Among those without the instrument, (...) Martin Haselböck turns in fine performances on period interstuments (...) In the final reckoning it's the flexibility and colourfulness of the Wiener Akademie that just about swings it for me.


Gramophone (01. Juni 2009)

Mozarts Pflichtaufgaben

Die 2005 entstandenen Aufnahmen sind klangtechnisch hervorragend umgesetzt; das Klangbild ist natürlich und transparent und in der Mehrkanalversion von greifbarer Räumlichkeit und harmonischer Ausgewogenheit. [...] Martin Haselböck bietetmit seinen Musikern eine durchaus überzeugende Darstellung der Sonaten, die insbesondere durch ihren transparenten und schlanken Orchesterklang imponiert. Die Streichergruppe läuft nie Gefahr, die (kleine) Orgel zu überdecken, deren silbrig heller und filigraner Klang auch wirklich hörenswert ist. [...] Die gewählten Tempi sind stets frisch, nie aber übereilt, und Artikulation wie Phrasierung wirken durchdacht und verhelfen der Musik zu lebendiger Bewegung. [...] Unterm Strich ein glaubwürdiges Plädoyer für die vernachlässigten Werke.


Klassik.com, Christian Vitalis (18. April 2009)

Kritik DVD Fidelio

Dieser "Fidelio" ist anders als erwartet. Zwar überraschte es nicht wirklich, dass Martin Haselböck und sein "Orchester Wiener Akademie" einem Originalklang der Beethoven-Oper anchspüren, gelten sie doch als Spezialisten in diesem Metier. Mit Barockinstrumenten und einem entsprechend transparenten, die Nebenstimmen aufwertenden Klang sowie zügigen Tempi und scharfer Rythmik führt Haselböck sein insgesamt gut disponiertes Ensemble durch die Partitur.


Metropolis (01. März 2009)

Klangrevolution mit Bruckner

Anton Bruckner: Sinfonie Nr 1 c-moll - Linzer Fassung

Der Dirigent und Organist Martin Haselböck ist nicht nur bekannt für sein Bestreben, vergessenes Repertoire wieder zu beleben,sondern auch für einen historischen Zugang zu bekannten Werken. So führte er mit der „Wiener Akademie“ im Mai 2004 Bruckners Erste Sinfonie auf. So mancheZuschauer dürften nicht wenig überrascht gewesen sein,  denn Haselböck lässt sein Ensemble aufhistorischen Instrumenten spielen, die den heute gewohnten Bruckner-Bombast weit hinter sich lassen. Die Streicher benutzen Originalinstrumente des 19.Jahrhunderts und spannten Darmsaiten auf. Aber auch die Blech- und Holzbläsergreifen auf historische Instrumente zurück. Der warme, luftige Flötenton kann die aus Holz gebaute Flöte nicht verhehlen, die hier verwendeten Posaunen wurden gar von Bruckner selbst für eine Aufführung seiner f-Moll-Messe mit der Hofkapelle angeschafft!


Rauschender Klang, verwobene Linien

Wenn nun schon komplett auf Originalinstrumente zurückgegriffen wurde, so passt die Wahl der Version von Bruckners Erster Sinfonie bestens ins Bild. Diese Version zeigt noch so manche bizarren Überraschungen, die Bruckner später einebnete.

 

Was an dieser Aufnahme fasziniert, ist die klangliche Umsetzung. Die alten Instrumente klingen sehr weich, die Streicher pflegen einen sehr sehnigen Klang. Die Flöte zeigt sich sehr luftig und leicht, das Blech strahlend. Der Gesamtklang ist eher als „dreckig“ im positiven Sinn zubezeichnen: Hier hört man keinen auf Hochglanz polierten Orchesterklang,sondern ein sehr fein schattiertes Klangbild, in dem die einzelnen Instrumenteihren je eigenen Sound prononciert zur Geltung bringen; beispielweise der knorrige Klang des Fagotts im Trio des Scherzo. Oder etwa die trockenen,schlanken Posaunenklänge in dem Teil kurz vor der Durchführung des ersten Satzes, wo Bruckners deutlich an Tannhäuser anknüpft. Dieser überaus reiche Orchesterklang trägt zu einer Interpretation bei, die die revolutionäre Seite Bruckners akzentuiert. Die Reibung von Linien, die zuweilen mehr gegen- als miteinander laufen, wird hier wunderbar deutlich.

 

Der besondere Reiz dieser Einspielung liegt jedoch in der Balance des Orchesters. Auch in Tutti-Passagen bleiben die meisten Instrumente hörbar. Der Streicherapparat ist perfekt abgestimmt mit dem schlanken Blechklang und den zarten Holzbläsern. Exzellent sind auch die Kontrabässe; die bewegte Basslinie wird hier vorbildlich realisiert. Eine so ausgewogene Balance des Orchesterklangs hört man bei Bruckner sonst fast nie.

 

Wohltuend ist vor allem, dass Haselböck die sanglichen zweiten Themen im Tempo nicht zurück nimmt, sondern das Kantable mit einer federnden Artikulation verbindet. Dafür gebührt ihm hohe Anerkennung.

Die klangliche Abbildung ist sehr direkt, der reich schattierte Orchesterklang vorbildlich eingefangen. Wären die beiden Geigen zudem einander gegenüber postiert gewesen, hätte sich eine noch größere Durchsichtigkeit des Klangs ergeben. Aber auch so hat man es hier mit einem klanglich revolutionären Bruckner zu tun, der in keiner Sammlung fehlen darf. Denn obgleich schon versucht wurde, Bruckner auf historischen Instrumenten zu spielen: Einen solch erdigen, natürlichen Klang bekam bisher niemand hin.

 

 


Klassik.com, Tobias Pfleger (19. Februar 2006)

Darmsaite, leuchtend

Anton Bruckner: Sinfonie Nr 1 c-moll - Linzer Fassung

Martin Haselböck sucht das Urbild von Bruckners Erster

Die Originalklang-Welle hat längst die Spätromantik erreicht. .. Nun folgt Haselböck mit Bruckners "keckem Beserl". Natürlich wählte Haselböck die frühe "Linzer Fassung". Haselböcks Darstellung von Bruckners Erstling ist nicht ohne Reiz.

 

In den Ecksätzen und im Scherzo nimmt die anspringende Frische des Musizierens für diese Sicht auf den "frühen" Bruckner ein, dessen auftgrumpfendes Blech-Geschmetter im Finale die braven Linzer anno 1868 wohl eher erschreckt haben dürften. Die Präsenz der Holzbläser gegenüber den Streichern verdeutlicht die kompositorischen Strukturen der Musik ... expressiv ausgespielten Adagio ... eine Live-Aufzeichnung.

 

Reizvoll der sonor-warme Klang der Posaunen, auch den Streichern mangelt es nicht an Leuchtkraft... Ausgezeichnet ist die Klangqualität dieser auch "Surround" abspielbaren CD. Eine interessante Alternative - aber Original.

 

Bruckner: 1. Sinfonie, Wiener Akademie, Martin Haselböck, erschienen by Capriccio.

 


FAZ (02. Dezember 2005)

Prachtvoll

Sie war überfallig, diese Einspielung von Violinkonzerten Johann Gottlieb Grauns. Aus dem breiten Angebot von fast 50 ihm sicher zuzuschreibenden Violinkonzerten haben Martin Haselböck und seine vorzüglichen Solisten zwei prachtvolle ausgewählt und stellen sie nun in einer eleganten, fantasievollen Interpretation vor.


Fono Forum (01. Juli 2005)

Gitarre zwischen Klassik und Romantik

Selten hat man eine so exquisite Aufnahme gehört, die Orchester und Soloinstrument in einer so klangschönen Balance hält. Catemario besitzt den flinken, hellen, dabei warmen Anschlag, den das Instrument braucht, um nicht dünn zu wirken. Und die Wiener Akademie verstht sich in der Kunst der noblen Aurückhaltung, um im rechten Moment zu explurdieren. Die Saitenkunst ist in dieser Aufnahme mit Händen zu greifen.

 


Fono Forum (01. Juli 2005)

Aus dem Salon in den Konzertsaal

Die Wiener Akademie unter der Leitung von Martin Haselböck zeichnet mit dem Gitarristen Edoardo Catemario für diese Aufnahme verantwortlich. Das Spiel des Orchesters ist exakt, technisch sauber und geht auf die Anforderung des Konzerts genau ein. Der Vortrag ist einer Erzählung vergleichbar, deren Fortschritt man gespannt lauscht. Beispielsweise laden der einleitende Dialog zwischen Pauken und Streicherpizzicato, die geschmackvolle Verwendung verschiedener Klangfarben und ansprechende melodische Ideen zum aufmerksamen Zuhören ein.

 

Das reibungslose Zusammenspiel des Ensembles ist von einer guten Aufnahmequalität festgehalten. Liebhabern guter Orchestermusik kann der Kauf diese CD empfohlen werden; vor allem aber Liebhabern anspruchsvoller Gitarrenmusik. "


Klassik.com (01. Juni 2005)

Gemütlich

Sie sind zweifellos die Avantgarde der 1760er Jahre, die drei "Tageszeiten-Sinfonien", die Haydn gleich zu Beginn seiner Amtzeit am Esterházyschen Hof komponierte. Angeblich gab Fürst Paul Anton selbst ihm den Auftrag dazu, und Haydn nutzte das fürstliche Interesse zu einer Tour de Force, die zu ihrer Zeit unerreicht blieb, nicht nur wegen der vielen solistischen Passagen. Das avantgardistische Knistern spürt man in Martin Haselböcks Interpretation jedoch zuletzt. Der Dirigent empfiehlt sich durch seinen unaufgeregten, fast schon gemütlichen Stil vielmehr als Haydn-Interpret der weicheren Sorte, Gesanglichkeit und die Wirkung des großen Ganzen stehen im Vordergrund.


Fono Forum (01. Januar 2005)

Empfindungsmalerei in Musik

Eine Aufnahme, die ich sofort ins Herz geschlossen habe: Joseph Haydns Sinfonien Nr. 6-8, die unter dem Titel Die Tageszeiten bekannt geworden sind und in diesem Fall nicht nur den damals knapp dreißigjährigen Komponisten auf der Höhe seiner Fähigkeiten zeigen. Denn die Eleganz, Eloquenz und Klangkultur, mit der die Wiener Akademie unter Martin Haselböck hier aufwarten ? ganz zu Schweigen vom hintergründigen Spielwitz ? werden allen Facetten dieser ebenso unterhaltsamen wie innovativen Musik gerecht.


Musik an sich (01. September 2004)

Die Tageszeiten

(...) Le disque regroupant les Symphonies "Le Matin", "Le Midi" et "Le Soir" par Martin Haselböck et sa Wiener Akademie est plus éminent. Il s'agit même sans doute de la version la plus recommandable disponible pour qui ne trouverait pas le CD de Nikolaus Harnoncourt.

 

Haselböck avait déjà enregistré ces œuvres il y a 10 ans pour Novalis. Le revoici en décembre 2002 avec un ensemble affûté et une conception d'une grande logique.

 

Haselböck différencie très finement les textures conférées par les configurations orchestrales variables requises par Haydn. L'effectif intelligent traduit un beau climat intimiste (façon salle de château), et s'accommode parfaitement d'une conduite qui respecte l'intégrité de la musique, c'est à dire qui ne lui fait jamais violence. Les Menuets, pour prendre un bon baromètre, ne sont jamais trop incisifs et les splendides mouvements lents apparaissent souples et fins. ?remarquables interventions solistes (violoncelle somptueux, flûtes en parfait accord, violon solo excellent et basson goguenard).


Classictoday (01. September 2004)

Aus wiederentdecktem Archiv neu belebt

Diese Wiederaufbereitung von Konzerten der beiden Bach-Söhne Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel sowie Leopold Hofmann ist bei der Wiener Akademie unter der Leitung von Martin Haselböck in guten Händen.

 

Diese Musiker genießen professionelle Leitung und sind darüber hinaus als Ensemble eine geschlossene, klangschöne Einheit.

Die Solopassagen bringen die klangfarblichen Eigenschaften der Flöte zur Entfaltung, diese Gelegenheit wird von Christian Gurtner voll ausgeschöpft.


Klassik.com (01. August 2003)

Mozart: Kirchensonaten (Capriccio)

W.A.Mozart: Kirchensonaten

Zum 250. Geburtstag darf`s schon etwas mehr sein, als die übliche "Zauberflöte" oder "Jupitersinfonie". Diese 3- bis 4minütigen Werke wurden in der Salzburger Messliturgie zwischen Epistel und Evangelium vorgetragen. Natürlich ist das, was Mozart sich zu diesem Zwecke einfallen ließ, manchem "Meisterstück" der Zeitgenossen immer noch um Längen voraus, aber mehr, als eine kompositorische Pflichtübung war das Schreiben dieser Sonaten selbst für das Genie nicht. Erst in seinen späteren Kirchensonaten, die ab Mitte 1770 entstanden, zeigt sich der mozartsche Personalstil.

 

Mit seiner auf historischen Instrumenten musizierenden Wiener Akademie geht deren Leiter Martin Haselböck die Werke erfrischend zügig bis pfiffig an und versucht nicht, in sie eine Andachtsfunktion hineinzulesen. Vor allem die Streicher agieren mit angenehmem Schwung und Haselböck brilliert selbst an der silberhellen Orgel der Wiener Hofburgkapelle mit spielerischer Leichtigkeit. Manches hätte im Orchester vielleicht noch ein wenig pointierter zugespitzt und mancher Einsatz geschärft werden können. Andererseits bleibt gerade so der Charakter der Werke als wenig selbständige Füllstücke gewahrt.

 


Sven Kerkhoff aus "www.musikansich.de"  (22. Juli 2018)